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Verehrte Festgemeinde,

liebe Gäste aus nah und fern,

treue Hammelbrüder,

 

als Vertreter der Hausener Kirmesburschen heiße ich euch zu unserem heutigen

Festumzug auf das herzlichste willkommen.

Schon wieder ist ein Jahr vergangen und wir haben uns hier versammelt, um unser 63. Hammelausreiten in altbekannt würdiger Form zu begehen.

Auch in diesem Supersportjahr haben wir wieder über Begebenheiten und Vorkommnisse in unserem kleinen aber feinen Dörfchen nach Hammelbruderart zu

berichten und zu richten.

 

Unser diesjähriger Hammel mit dem Namen “Kurt der Klapperfahrtkönig“ hat wieder einmal unzählige große und noch größere Untaten verübt, die vor diesem hohen Gericht verhandelt werden müssen.

 

Wir schicken jetzt Reiter und Wagen aus um diesen im Schafspelz getarnten Übeltäter zu ergreifen.

 

Reiter und Wagen schwärmt aus.

 

Nachdem die Reiter ausgeschwärmt sind, um den Hammel vor dieses außerordentliche Gericht zu stellen, beginnen wir mit der Verlesung der Anklagepunkte.

 

Unser diesjähriger Hammel ist definitiv der hinterhältigste und schlimmste der uns je untergekommen ist. Eine kaum denkbare Steigerung seiner Delikte zu den Vorjahren konnte er zum wiederholten Male problemlos überbieten. Noch im letzten Jahr schlich er sich als falscher Hausener in unseren Umzug ein, zur aktuellen Kirmes brachte er gleich eine ganze Schaar weibliche Begleitung mit, getarnt als Zugtiere eines im Umland sehr populären Kirmeswagens, die ihn in seinen üblen Vorhaben unterstützen sollten. Entschlossen mischte sich eine seiner Komplizinnen in die Gruppe der gerade bei unserem Umzug gastierenden Zootiere ein. Dort brachte sie den allzeit übermütigen Gorilla mit einem gestellten Fuß, unter schallendem Gelächter der Zuschauer zu Fall.

 

Bei einem großen Familientreffen prallten zwei ganz außergewöhnliche Welten aufeinander. Die schaurig gruselige Adams Family stieß auf unsere dorfeigene Königsfamilie, die mit Schlossküche und Hofstaat ihr Hausener Kirmesvolk beehrten. Stolz können wir sein! Einst besuchte Deutschland zwar ein aus Polen stammender Papst, aber nur zu uns kam der passende König dazu!

 

Unser allzeit friedvolles Kirmesfest, wo sich die Kirmesburschen mit ihren Gästen von der Band sogar zu einer rudernden Galeere zusammentreiben lassen um jährlichen Frohsinn und Stimmung zu genießen, versuchte Kurt jedoch mit der einen oder anderen Störaktion kaputt zu machen. Mutwillig zerstörte Gläser, Fensterscheiben, Handgreiflichkeiten und demolierte Autos machten zur letzten Kirmes sogar den Einsatz von Polizeibeamten notwendig.

 

Eine schöne alte Tradition unserer Kirmes die Ausgabe von Jagdscheinen gestaltet sich zusehends schwieriger. Immer weniger dieser Jagdberechtigungen nach unseren Dorfschönheiten können offiziell ausgegeben werden, weil die meisten jungen Mädchen ihre Burschen erst gar nicht zum Kirmestanz führen und stattdessen lieber über soziale Netzwerke die frisch gewonnene Liebe pflegen.

 

Beim traditionellen Frühschoppen mischte sich ein altbekannter Hase seit langer Zeit wieder unters Hausener Kirmesvolk.

Seine markante Stimme und seine unverwechselbare Körpersprache sorgte für allgemeine Heiterkeit. Als aber unser El-Präsidente den Saal betrat konnte Hasi

einpacken. Mit einer Basstrommel unterm Arm und ein paar flotten Sprüchen kam er an den neu eingeführten Kirmesburschentisch und stand sofort im Mittelpunkt.

Eine unbeabsichtigte Terminüberschneidung zur kleinen Kirmes mit der Silberhochzeit eines unserer treuesten Burschen brachte den Zeitplan des Vorstandes nur kurzzeitig ins Wanken. Hochkonzentriert konnte der Tag erfolgreich gemeistert werden und der Pendelverkehr zwischen beiden Feierstätten funktionierte tadellos.

 

Zu einem Megaevent wurde danach der Tanzabend mit Estanas.

An Bildern der vollständig auf den Tischen stehenden Kirmesgemeinde konnte man sich schon morgens noch vor dem Kirmesamt im World Wide Web erfreuen.

Im Anschluss wurde der traditionelle inoffizielle Frühschoppen zur Lehrstunde für alte Kirmes- und Trinklieder. Noch auf dem Heimweg sang sich eine Handvoll Burschen in die Herzen einiger Anwohner, die das Treiben nur kopfschüttelnd hinter ihren Fenstern beobachteten.

 

Die akribische Zusammenarbeit der Kirmesburschen mit den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr steigerte sich in diesem Jahr zu einem neuen Hoffnungsschimmer für die Erhaltung des Vereinslebens in unserem Ort. Dies versuchte der Hammel wieder zu stören als er die Ladungssicherung der Glühweinlieferung für den geplanten Weihnachtsumtrunk löste, und ein Großteil des kostbaren Trankes im Straßengraben nach Niederorschel versickern ließ.

Schlauer waren beide Vereine dann aber bei der der Organisation des ersten gemeinsamen Sommerfestes. Dieses wurde vor dem Hammel so geschickt geheim gehalten, dass er hier keine Chance hatte seine Hufe ins Spiel zu bringen.

 

Als es zur 5. Jahreszeit wieder soweit war das ein oder andere Dorfgeschehen ausgiebig auszuwerten, machte sich unser legendäres Kätchen wieder auf den Weg zu ihrer besten Freundin Euladia um Neuigkeiten auszutauschen. Ihre große Vorfreude auf das beliebte Schnacken wurde allerdings schnell ausgebremst als sie erfuhr das Euladia in diesem Jahr nicht nach Dorftratsch zu Mute war. Kurzerhand bot sich Euladias Bruder an für seine Schwester einzuspringen. Er wusste einiges aus Kurts Nähkästchen zu berichten und versprach dem traurigen Kätchen ein gutes Wort bei seiner Schwester einzulegen, damit es im nächsten Jahr wieder klappt mit dem guten alten Tratsch.

 

Ein weiterer Versuch wichtige Informationen und Termine bis an den letzten Kirmesburschen über das neumoderne Kontaktmedium „WhatsApp“ zu bringen, scheitert zum momentanen Zeitpunkt immer noch an Kurts Spieltrieb, der die ganze Gemeinschaft mit jeder Menge Video- und Bilddateien bombardiert. Viele Burschen haben die Gruppe in diesem eigentlich sehr nützlichen Medium wieder verlassen und warten immer noch vergeblich auf die guten alten Einladungszettel im Briefkasten.

 

Da Kurt selbst keine rennfahrerischen Fähigkeiten vorweisen kann organisiert er fast täglich Straßenrennen auf der Rennstrecke Breitenholz – Hausen – Niederorschel!

Die nervlich stark gebeutelten Bewohner der Schulstraße sind mittlerweile ratlos was sie gegen Kurts Raser-Truppe unternehmen können. Regelmäßig werden Passanten auf den engen Gehwegen von vorbeifahrenden Autos gestriffen.

Auf den Höhepunkt trieb es Kurt als er eine unschuldige und schutzlose Passantin auf dem Heimweg aus dem Auto raus anpöbelte. Nicht nur Leib und Leben von Alt und Jung ist hier täglich in großer Gefahr, auch unsere hohe dörfliche Lebensqualität sinkt dadurch nach und nach auf Großstadtniveau ab.

 

Des Weiteren wird Kurt vorgeworfen während der Brenntage ein Attentat auf einen aus Richtung Stausee kommenden PKW eiskalt geplant und erfolgreich durchgeführt zu haben. Als sich sein angezieltes Objekt in eine unübersichtliche Kurve näherte, schob er das am Straßenrand geparkte Gemeindemulticar so hinterlistig auf die Fahrbahn das es chancenlos daran zerschellte.

Damit nicht genug. Auf seinem Streifzug gegen fahrbare Untersätze legte er auch noch während der Fahrt Feuer in das wohl am besten instandgehaltene Auto des Dorfes.  Nur noch die Feuerwehr konnte größeren Schaden verhindern und musste dem unglücklichen Besitzer das Ableben seines langjährigen Schraubobjektes schonend beibringen.

Das traditionelle Kleinfeldturnier, das dieses Jahr erstmalig von den Kirmesburschen ausgerichtet wurde, erfreute sich wieder über die große Beteiligung von 8 titelhungrigen Mannschaften. Von ehrgeizigen Titelverteidigern über Profifußballer bis hin zu ewigen Zweiten stellten sich alle dem Kampf, um den zweitbegehrtesten Pokal in der Welt des Fußballs. Noch ahnte an diesem Tage keiner, als die Zitterpartie Deutschland-Ghana im Festzelt des Kleinfeldturniers, welches für alle anwesenden übertragen wurde, dass der Traum vom Gewinn der Fußballweltmeisterschaft bald Realität sein würde. Leider spaltete Kurt an diesem Tag wegen einer zweiten öffentlichen Übertragung Fußballhausen in zwei Fangemeinden die bis zum historischen Titelgewinn ihr Public Viewing erstmalig vor zwei getrennten Leinwänden verbrachten.

Einer großen Herausforderung musste sich unsere Gemeinde aufgrund eines extrem niederschlagsreichen Jahres annehmen. Da wegen unaufhaltsam wachsendem Grün in unserem Ort zeitweise nur noch große Flächen maschinell gepflegt werden konnten, kam eine prozentuale kommunale Förderung für geplante Investitionen in große und kleine neue Technik inklusive neuer Mitarbeiter, wie ein Segen vom Himmel. Kleinen und unzugänglichen Grünflächen, die bis heute vom Mangel an Zeit und Möglichkeiten profitierten, kann von nun an wieder der Gar aus gemacht werden.

 

Trotz dieser rekordverdächtigen Niederschläge und einem Sommer, der keiner war, ließen sich die Bewohner unseres Dorfes nicht kleinkriegen. Vollgelaufene Keller und Garagen wurden geduldig wieder gereinigt, festgefahrene Fahrzeuge wurden hilfsbereit von sumpfigen Pferdewiesen gezogen.

Sogar ein großes Wintergerät kam zum Einsatz um tief eingefahrene Wiesen und Weiden wieder zu planieren. Aber das Kurt die regenbedingte Baupause eines Neubaus ausnutzte, um sich am dortigen Baumaterial zu vergreifen, ist unter aller Hammelehre!

 

Auf die Neugestaltung unseres Dorffriedhofes machte Kurt durch jede Menge Fotos mit einer am Stab geführten Kamera ausversehen gleich mehrere Filmproduzenten aus dem fernen Hollywood aufmerksam. Diese waren derzeit auf der Suche nach neuen Drehorten für eine Neuverfilmung der ersten Mondlandung. Nur durch den kraftraubenden Einsatz, der dort beteiligten Helfer, konnte die Anreise des Filmteams durch die schnelle Fertigstellung noch verhindert werden.

 

Auch bei uns wurde im Jahr der großen Wahlen wieder pflichtbewusst zur geheimen Urne gegangen. Volksvertreter von Kommunen-, über Landes- bis hin zur Europaebene wurden in unserer Region pflichtbewusst mitbestimmt.

Unter anderem trieben wieder unsere altbekannten Protestwähler ihr Unwesen, als sie besonders bei der Wahl unserer örtlichen Gemeindevertreter jede Menge Kandidaten ins Spiel brachten, die später erst aus der Zeitung erfuhren, die eine oder andere Stimme erhalten zu haben.

Nachdem 2 von 3 langjährigen treuen Gemeinderatsmitgliedern freiwillig aus ihrem Amt entlassen wurden, ist es gerade an den neu Gewählten, Pflichtbewusstsein und Zuverlässigkeit für unseren Heimatort zu zeigen.

Dass einer erst noch intensiv an sich arbeiten muss, wurde klar als er sich gleich bei der ersten Ratssitzung verspätete und beinahe die Beschlussfähigkeit der Versammlung gefährdete.  

Weitere eiskalt geplante Handlungen, die vor allem unter Alkoholeinfluss passierten kann man dem Hammel nur noch im Kurzverfahren verlesen. Sein erstes Opfer füllte er auf einem Musikabend, noch betört von der Musikkapelle „G-Punkt“, dermaßen ab, dass er auf seinem heimischen Hof noch kurz vor dem Erfrierungstod gerettet werden konnte.

Sein zweites Opfer brachte er betrunken so weit, dass er auf einer Baustelle in der Schulstraße sämtliche Warnbarken zerstörte und anschließend sogar noch die Kraft aufbrachte sie im halben Dorf zu verteilen. Ob Kurt in dieser Nacht auch die extreme Schieflage der neuen Telekom Station zu verantworten hat, kann nicht bewiesen werden und wird derzeit noch geprüft.

Sportlich gesehen gab es dieses Jahr bei uns alle Höhen und Tiefen, die man sich nur vorstellen kann. Da unser Sportverein derzeit intensiv an einer Neuorientierung arbeitet, mussten erstmals in der Hausener Sportgeschichte einige seiner Veranstaltungen unterstützend von den Kameraden der hiesigen Feuerwehr und des Kirmesburschenvereins aufgefangen werden. Leider musste aber auf das traditionelle Waldsportfest, welches im letzten Jahr den größten Besuchereinbruch seiner Geschichte zu verbuchen hatte, erstmals verzichtet werden. Da wir am heutigen Tage noch dafür sorgen werden, dass der Hammel nicht weiter den Vereinsfrieden unserer Sportler stört, sind alle Hausener guter Hoffnung, dass sie im nächsten Sommer dem Sportverein mit steigenden Zuschauerzahlen neuen Mut für die Zukunft geben werden.                                                                                              

Eventuell wird auch der allzeit anwesende Toilettenwagen unseres Wasserzweckverbandes, der ja nun schließlich von unserer Bundeskanzlerin höchstpersönlich bepullert wurde, ein Publikumsmagnet für unsere geliebte Heide!

In diesem Sinne möchten wir uns bei allen, die zum Gelingen unserer Kirmes und zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens im Ort beitragen, recht herzlich bedanken!

 

Im Namen aller Hammelbrüder und im letzten Auftrag von Übeltäter Kurt wünschen wir noch frohe und nette Stunden.

 

Bleibt gesund, zufrieden und munter. Bis zum nächsten Jahr grüßen:

 

Die Kirmesburschen

 

© 2014, Autor: David Schäfer

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