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Verehrte Festgemeinde,
liebe Gäste aus nah und fern,
treue Hammelbrüder,

als Vertreter der Hausener Kirmesburschen heiße ich euch zu unserem heutigen Festumzug auf das herzlichste willkommen.
Wieder haben wir uns hier versammelt, um unser 64. Hammelausreiten in traditionell würdiger Form zu begehen.


Auch in diesem Jahr haben wir über Begebenheiten und außergewöhnliche Vorkommnisse in unserem kleinen Dörfchen nach Hammelbruderart zu berichten.
Unser diesjähriger Hammel mit dem Namen “ Ben der Boykottierer“ hat zahlreiche Untaten verübt, die hier bekannt gemacht werden müssen.
Wir schicken jetzt Reiter und Wagen aus, um diesen Übeltäter zu ergreifen.

Reiter und Wagen schwärmt aus!!

Nachdem die Reiter ausgeschwärmt sind, um den Hammel vor dieses außergewöhnliche Gericht zu stellen, beginnen wir mit der Verlesung der Anklagepunkte:

Im letzten Jahr starteten wir recht entspannt in die Feierlichkeiten. Das bewies einer unserer ältesten Burschen, als er während der Vorbereitungen auf das große Fest,
eine Gartenbank mitten auf der Kreuzung zur Bergstraße platzierte, um sich dort mal
für ein paar Minuten zu entspannen und Hausener Kirmesluft zu genießen.
Dieses so heimische und traute dörfliche Flair konnte uns auch in diesem Jahr weiter erhalten bleiben, während sich andere Orte und Örtchen an benachbarte Städte anschlossen und damit dieses wertvolle Gut für immer verloren.
Am mittelmäßig gut besuchten Kirmesfreitag bot eine junge dynamische Band mit selbstgemachter, qualitativ erstklassiger Musik mal was ganz anderes.
Da der Hammel durch eigene Vorurteile versuchte diese Veranstaltung mit Abwesenheit zu boykottieren, anstatt sich hier mal selbst ein Bild zu machen, schickte er stattdessen einen Hund auf dem Saal vorbei, um einen Eindruck von der dortigen Stimmung zu erhaschen.
Beim traditionellen Ausrufen der Kirmes ist es ja nichts Neues, dass unser Kopf und Vereinsvorstand das ein oder andere Mal ein bisschen die Zeit vergisst.
In diesem Jahr war der Zeitverzug aber leicht zu rechtfertigen.
Der Versuch, den tiefsitzenden Schreck über einen Verkehrsunfall auf der Bahnhofsbrücke, der während des Kirmesausrufens passierte,
mit viel Alkohol zu ertränken, ging für ein Vorstandsmitglied gründlich schief.
Dieser musste den Kirmestanz mit total K.O. schon vor dem Datumswechsel verlassen.
Vollkommen aus dem Konzept war der Rest der Burschen, als Ben zur Präsentation des Burschenliedes eine völlig fremde Melodie einspielen ließ.
Die Blamage war perfekt, als die Burschen beschämt und wie gewohnt hammelherdenartig die Bühne verließen.
Am Sonntag, pünktlich um 13.00Uhr, sollte die Sonne nicht nur am Hausener Kirmeshimmel wieder scheinen, sondern auch in den Herzen aller aktiven Mitgestalter und Gäste.
Sinnbildlich für die stetig steigende Frauenquote bei unseren Umzügen,
gab es diesmal sogar einen zusätzlichen weiblichen Vorstand als Wink mit dem berühmten Zaunpfahl.
Da schon seit längerer Zeit Pferde in öffentlichen Umzügen genehmigt werden müssen, kam hoher Besuch aus Venedig mit fahrbar umgebauten Gondeln, um hier mit dabei sein zu können.
Definitiv gerockt haben diesen Umzug die fernsehreif zurecht gemachten Avatare.
Hier wird zusehends auffällig, dass die aktiven Teilnehmer unserer Kirmes immer mehr aus Freunden und Verwandten von Kirmesburschen bestehen, während einige Hammelbrüder selbst das große Fest lieber als Zuschauer verfolgen.

Der 2. Getränkewagen, der neuerdings auf dem Gelände unserer preisgekrönten Bushaltestelle eingeführt wurde, ist nicht, wie vom Hammel falsch verbreitet, als Gegenveranstaltung oder gemeine Provokation gemeint.
Ausschließlich der Wegfall Jahrzehnte lang gezahlter Anteile am Kirmesumsatz und die rapide steigenden Kosten zur Erhaltung der Qualität des Hausener Kirmesfestes sind der Grund dafür, so handeln zu müssen.
Hier entstand in den sonntäglichen Abendstunden eine Kirmesparty, die an alte Zeiten in der Hausener Winkelkneipe erinnerte.
Noch beflügelt von der gelassenen Stimmung dort verfehlte der Hammel auf dem Weg nach Hause die heimische Brücke über den Wassergraben und musste dort völlig orientierungslos gerettet werden.

Auch zur kleinen Kirmes war die Stimmung unter den wenigen Gästen nicht von schlechten Eltern. Erstmals in unserer Geschichte konnte man in der traditionell schwerfälligen ersten Stunde des Kirmestanzes mehr Gäste und Vereinsmitglieder
auf der Tanzfläche als am Tresen registrieren.
Wie auch zur Großen Kirmes entging Ben an diesem Abend durch wiederholte Abwesenheit moderne Kirmesmusik, Spaß, und Geselligkeit der Extraklasse.

Kriegsähnliche Zustände aus der Hauptstraße, von der Bushaltestelle und vom Damm sind der Grund, den diesjährigen Jahreswechsel hier erwähnen zu müssen.
Im alten Jugendclub trieb der Hammel aber an diesem Abend am schlimmsten sein Unwesen. Hier detonierten Feuerwerkskörper die definitiv nicht von dieser Welt waren.
Schwer betäubt vom Lärm und Alkoholkonsum des Silvesterabends, erwachten die Clubbetreiber erst am Nachmittag des Neujahrstages inmitten ihrer Feierhöhle.
Noch am selben Tage konnte aber dennoch zum Resteverzehr und Weiterfeiern getrommelt werden.

In Hausen feierte man in diesem Jahr traditionell wieder einmal einen beherzten Karneval. Doch während unser Karnevalspräsident und sein Co-Sprecher wieder eine unschlagbar gute Stimmung zur Hausener Prunksitzung aus dem Ärmel schüttelten, lud der Hammel einige überlebenswichtige Urgesteine des Vereins zu sich nach Hause ein, um einen noch offenen Geburtstag nachzufeiern. So unentbehrlich diese für die Programmgestaltung an so einem Abend sind, fanden sich aber auch dieses Mal gegen alle Prognosen, wieder junge talentierte Nachwuchs-Karnevalisten um diese Lücke mit Bravur zu schließen. So blieb es also auch in diesem Jahr nur bei einem gescheiterten Versuch des Hammels, einen altgewohnten und qualitativ erstklassigen Büttenabend zu stören.

Es hätte nicht viel gefehlt, da hätten wir die heutige Hammelhinrichtung ohne den Angeklagten abhalten müssen.
Nur mit großer List konnte der Hammel einem blutrünstigen Jagdhund aus der
Bergstraße entkommen, während der Rest seiner Herde auf ihrer Weide friedlich
grasend von diesem angegriffen wurde.
Verängstigt und verletzt musste die kleine Schafherde mühevoll aufgespürt und durch einen beauftragten Jäger von ihrem Leiden erlöst werden.
Eine Blutspur durchs halbe Dorf erinnerte noch tagelang an diese Tragödie.
Aus purer Angst vor diesem streunenden Räuber und seinen Artgenossen installierte der Hammel umgehend einen Elektrozaun und Überwachungskameras rund um sein Haus und Hof, um ihn und seine Hundehäufchen für immer auf Distanz zu halten.
Mehrere Versuche von Ordnungsamt und Polizei waren notwendig, um Ben zur Vernunft zu bringen, und diese Installationen dann endlich wieder zu beseitigen.

Das traditionelle Kleinfeldturnier, das dieses Jahr zum zweiten Mal von den Kirmesburschen ausgerichtet wurde, hatte gleich mehrere Highlights zu bieten.
Das mit Sportprogramm so vollgepackte Turnier startete mit dem Spannungsknüller
Oberdorf gegen Unterdorf. Zur Freude des Oberdorfes konnte die Mannschaft endlich mal das ganze Spiel über dominieren und lag auch im Ergebnis klar vorn.
Bis das Unterdorf, mit der Einwechselung des Bürgermeisters, seinen Joker zog und das Spiel tatsächlich noch auf Sieg drehen konnte.
Am Samstag war die kleine Arena am Spielplatz so gut gefüllt wie schon lange nicht mehr. Wieder stellten sich 6 starke Mannschaften auf, um den begehrten Pokal zu ergattern.
Leider ging für die Kirmesburschen zum ersten Mal in ihrer Geschichte das Turnier komplett torlos aus. Auch dem stark auftretenden FCN, diesmal mit besonders aggressivem Sturm, reichte es trotz 20-jährigem Jubiläum nicht zum Sieg.
Dennoch war die Stimmung hervorragend, und dank dem perfekten Fußballwetter, flossen sage und schreibe 6 Fässer Bier direkt in die Kirmeskasse.

In der heutigen modernen Zeit ist es ja nichts Außergewöhnliches, das sich unsere Gemeinde und ihre Bürger an Veränderungen der Neuzeit gewöhnen muss.
Viele Dorfbewohner unterhalten sich lieber per Daumendruck auf dem Handy
anstatt persönlich; der Verkehrslärm erreichte schon lange Großstadtniveau;
zu Weihnachten kann man Christmetten nur noch mit dem Auto erreichen;
die örtliche Weihnachtsbeleuchtung ist zunehmend blau und nicht mehr traditionell weiß. Selbst die Jahresschlussandacht findet schon Tage vor dem Silvesterabend statt.
Aber dass der Hammel aufgrund einer völlig unnötigen Schlägerei in der Schöllbornstraße die Änderung eines uralten Sprichwortes beantragt hat,
schlägt dem Hausener Kirmesfass den Boden aus.
Hier soll es zukünftig heißen:

EIN RAABE HACKT DEM ANDEREN EIN AUGE AUS

„Wo vom Sommerberg die graue Haube neigt“: dieser Liedtext ist jedem ein Begriff.
Das seit Jahrzehnten zu jeder Kirmes besungene Hausener Wahrzeichen ist in diesem Jahr anlässlich des 25- jährigen Bestehens des Hausener Star-Architekturbüros aufwendig modernisiert worden. Es wird noch geprüft, ob durch die neue Farbgebung
und die moderne Solartechnik auf dem Dach am Liedtext des Hausener-Liedes Änderungen notwendig werden.

Ganz durcheinander von der plötzlichen Luftveränderung bei der Durchfahrt des benachbarten Örtchens war der Hammel in seinem Golf GTI, als er einen Streifenwagen der Polizei sah. Dieser war sehr offensichtlich mit Geschwindigkeitsmessungen beschäftigt. Anstatt zu bremsen beschleunigte er seinen Wagen auf 140 km/h in der 70er-Zone, um die Polizei zu ärgern, denn er war fälschlicherweise der Meinung, dass die Gegenrichtung von der Polizei geblitzt wird.

Da im Winkel durch die bauliche Schließung der Wegbiegung Richtung Damm und die Schließung der Brücke über den Wassergraben ein wunderschöner, verkehrsberuhigter Bereich entstanden ist, konnte in diesem Jahr endlich ein ungestörtes Winkelfest stattfinden.
Andere traditionelle Straßenfeste hingegen, wie das Bergfest, konnten wegen zu starken Verkehrs von landwirtschaftlichen Maschinen nicht stattfinden.
Auch das Brückenfest im „Klapperfahrt“ musste wegen dauerhaft zugeparkter Brücke wieder einmal abgesagt werden.
Auch half es dem Hammel nicht gegen die Parkerei auf der Brücke zu klagen, denn gegen die vom Regen ausgewaschene und mit Baumaterial zugelagerte Kurve zum Bahnhofsweg wäre er eh machtlos gewesen.

Das kulturelle Zentrum unseres Heimatortes rund um unseren schönen Saal erfreute sich auch in diesem Jahr wieder großer Beliebtheit.
Für jeden Geschmack wird hier im Laufe des Jahres etwas geboten.
Blut spenden, Babybörsen, Volleyball, Fußball, Grillfeste inklusive feuerwehrtechnischer Ausbildung lassen hier keine Wünsche offen.
Auch der von engagierten Bürgern des Ortes aufwendig sanierte Kinderspielplatz
wird wieder zunehmend von unzähligen Kindern genutzt.
Vom neuen Landesbischof wird zurzeit sogar geprüft, ob unsere Dorfkneipe ein anerkannter Wallfahrtsort werden könnte. Der dort ausgeschenkte Hopfensaft soll heilende Kräfte haben. Ein an Gehhilfen kommender Gast soll nach dem Verzehr einiger dieser Gläser gesund und strammen Schrittes das Haus verlassen haben.
Zu einem Geheimtipp, weit über die Hausener Grenzen hinaus, entwickelt sich unserorts ein Erlebnisbauernhof.
Pferdedressur, Showspringen und alles rund ums Pferd zum Selbererleben, ist für Groß und Klein ganz stark im Kommen.
Nahezu täglich starten hier geplante oder spontane Kremser Fahrten und verwandeln die Hausener Straßen in wortwörtliche Pferdeapfelplantagen.
Wem das allerdings als innerörtliches Entertainment noch nicht reicht, kann sich immer noch an eine der vielen Konzertreisetruppen anschließen.
Jährlich treffen sich die Hardcore Fans der Böhsen Onkelz, die Wacken-Gruppe oder die Helene-Fischer-Ultras, um ihren Stars nachzureisen.

Mit großem Interesse beobachteten die Hausener Einwohner den spannenden
Wahlkampf um die Stelle des Bürgermeisters im Mutterhaus Niederoschel.
Anders als in den kleineren Orten des Eichsfelder Kessels war die Auswahl
an Bürgermeisterkandidaten, die unterschiedlicher nicht sein konnten, beachtlich.
Fernsehreife Aktionen zur Gewinnung von Wählerstimmen inklusive Wortgefecht,
Werbeauftritte und Geschenkeverteilung der Kandidaten, verliehen dem Wahlkampf
eine bundestagsähnliche Note.
Ob solch einem Spektakel auch Taten und vor allem Einigkeit in den eigenen Reihen folgen >>> werd sich Uus-gewiese.

Hitzige Diskussionen gab es in diesem Jahr auch rund um das Thema „Wasser“.
Viele Normalverbraucher wunderten sich über eine satte Erhöhung der Wassergebühren. Diese aufgeschlagene Umlage haben sie dem Hammel und noch einer Hand voll anderer Bewohner im Einzugsgebiet zu verdanken, weil diese es scheinbar mit der Körperpflege nicht so genau nehmen, und innerhalb des letzten Verbrauchsjahres kaum Veränderung auf ihren Wasseruhren hatten.
Dann attackierte der Hammel unseren pensionierten Alt-Bürgermeister verbal ziemlich heftig, als es um die Entwässerung des neuen Wohngebietes ging, obwohl derzeit noch gar keine Planung darüber abgeschlossen war.
Dass das kühle Nass lebensnotwendig und lebensrettend wie eh und je ist, hat sich auf der Hauptstraße in dramatischen Szenen gezeigt.
Ärgerlich musste die Hausener und Niederorschler Feuerwehr unverrichteter Dinge wieder abfahren als der Hammel leichtsinnig einen Koniferen-Brand auslöste.
Da Koniferen-Brände ja in Hausen mittlerweile schon Tradition haben, konnten
mutige Passanten von der Straße mit einem Wasserschlauch aus Nachbars Pool sich
problemlos die Lorbeeren allein erlöschen.

Ein Jahr nach dem großen Aufruf zur Treue an alle Fans des „kleinen HSV“ scheint immer noch keine Besserung in Sicht. Zwar hat der Hammel noch keine offizielle
Auflösung bekannt gegeben, aber Lebenszeichen im Verein sind dennoch nicht mehr erkennbar.
Die gute alte Heide, der Hauptsitz des kleinen HSV, verfällt und wird langsam
von der Natur zurückgeholt. Ben und seine Kumpanen nutzten die Herrenlosigkeit des Platzes und fuhren tiefe Gleise auf das damals mühevoll angelegte Spielfeld, das zeitweise Bundesligaansprüchen genügte. Einst fanden hier Frauenhandball-Freiluftturniere statt. Ganz früher wurde die Heide sogar als Schießplatz genutzt.
Der heiß begehrte Harderholzpokal ist so rätselhaft verschwunden wie das Bernsteinzimmer, und die kultige Stimme des Stadionsprechers vermissen wir schon jetzt! Reparaturen und Erhaltungsmaßnahmen am schönen Sportlerhäuschen und dort zeltende Feuerwehrleute sind ein Hoffnungsschimmer und Lichtblick, dass uns Hausenern dieses schöne Fleckchen Erde so schnell nicht verloren geht.

Im nächsten Jahr werden wir das 65-Jährige Bestehen der Hausener Kirmes feiern.
Wir möchten wieder alle Einheimischen, vor allem aber alle Hammelbrüder,
Freunde und Verwandte einladen,
mit uns gemeinsam dieses Fest traditionell und würdig zu begehen.

„Wir zählen auf euch!“

In diesem Sinne und im Namen aller Hammelbrüder wünschen wir noch frohe und nette Stunden.
Bleibt gesund und munter. Bis zur nächsten Kirmes grüßen:

Die Kirmesburschen

 

© 2015, Autor: David Schäfer

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