Hammelrede 2025

Verehrte Festgemeinde,

liebe Gäste aus nah und fern,

treue Hammelbrüder!

Als Vertreter der Hausener Kirmesburschen heiße ich euch zu unserem heutigen Festumzug auf das Herzlichste willkommen.

Wie schon seit 74 Jahren gute Tradition, haben wir uns auch heute – um 13:00 Uhr – hier vor unserem schönen Gemeindezentrum versammelt, um das Hammelausreiten in altbekannt würdiger Form zu begehen.

Auch in einem weiteren völlig verrückten Wahljahr haben wir wieder über Begebenheiten und Vorkommnisse in unserem kleinen, aber feinen Dörfchen nach „Hammelbruderart“ zu berichten.

Unser diesjähriger Hammel mit dem Namen „Lemmy der Leithammel“ hat unzählige große und noch größere Untaten verübt, die vor diesem hohen Gericht bekannt gemacht werden müssen.

Wir schicken jetzt Reiter und Wagen aus, um dieses heimtückische und hinterhältige Tier im Schafspelz aus seiner Herde zu erhaschen.

Reiter und Wagen, schwärmt aus!

Nachdem die Reiter ausgeschwärmt sind, um den Hammel vor dieses außergewöhnliche und gefürchtete Gericht zu stellen, beginnen wir mit der Verlesung der Anklagepunkte.

Unser diesjähriger Hammel ist unumstritten von einer Spezies, wie wir sie hier noch nicht hatten. Gemeinschaftliches Denken, Menschlichkeit und Freundlichkeit sind leider Mangelware, und wenn er den Mund aufmacht, glaubt man, dass er von künstlicher Intelligenz gesteuert wird.

Eine erneute große Reihe von Anklagepunkten haben wir heute vom traditionellen Kirmesburschengericht vorzubringen.

Den Saisonstart dieses Kirmesjahres konnte der Hammel mal wieder nicht abwarten, um mit seinen Dummheiten und Streichen durchzustarten. So beobachtete er von außen durch das Fenster des Gemeindesaals, dass zum Kirmesfreitag viele Burschen zu fortgeschrittener Zeit wieder einmal vergeblich auf ausreichend einheimische Gäste warteten.

Um den derzeit noch wenigen anwesenden Hammelbrüdern und Gästen die Baustelle trocken zu legen, stellte der Hammel unserem 5-Sterne-Gastwirt so hinterlistig ein Bein beim Abladen von Getränken, dass er übel stürzte. Voller Schmerzen ließ er aber niemanden das ganze Wochenende im Stich, obwohl er am folgenden Tag die Diagnose eines gebrochenen Fußes bekam.

Als Lemmy am Samstag zum Tanz wieder am Fenster stand und der Saal voll und voller wurde, kam seine Stunde, um eine weitere Körperverletzung zu planen. Er hatte es gleich auf einen Hammelbruder in bester Stimmung abgesehen, dem er bei der Heimkehr auflauerte und gegen das heimische Treppengeländer schubste, wo er sich eine üble Platzwunde zuzog. Seine kurze Abwesenheit bereute der Hammel aber später zutiefst, als er davon hörte, dass viele Gäste ausgelassen auf den Tischen tanzten und Bier aus ihren Tanzschuhen tranken.

Beim Kirmesumzug, der für viele Gäste wieder ein tolles Erlebnis war, gingen auch dieses Jahr wieder allen, die Spaß an großen und kleinen Motto-Projekten haben, die Ideen nicht aus. Es gab jede Menge Herzdamen und Könige, gute und böse Engel und fleißige Nachwuchskirmesburschen mit ersten eigenen Projekten zu sehen. Der aufgebrachte Fleiß für die aufwendigsten Kostüme aller Zeiten brachte auch im zweiten Jahr in Folge bei der Wagenprämierung einen ersten Platz – ohne Wagen – ein. Der allen bekannte ortseigene Linienbus kam erstmals auch beim Kirmesumzug zum Einsatz, in dem einige Hammelbrüder sich so wohl fühlten, dass sie dort die ganze Nacht verbrachten und allerhand Unsinn anstellten.

Da der Hammel aufmerksam ist und an dieser Stelle gleich seine Chance auf eine weitere Untat witterte, reihte er sich in diese Aftershowparty ein und stiftete die Hammelbrüder an, irgendwelche Wrestling-Moves auszuprobieren, was in blauen Flecken und Prellungen endete, als sie gemeinsam aus dem Bus fielen. Einen von ihnen hatte der Hammel besonders im Visier und stiftete ihn an, sich dermaßen volllaufen zu lassen, dass er am nächsten Tag nicht in der Lage war, das Burschenamt zu besuchen. Das Problem war nur, dass als Vorstandsmitglied und hauptamtlicher Fahnenträger eine empfindliche Strafe in Form eines ganzen Fasses Bier für Abwesenheit in der Kirche fällig wurde.

Deshalb wurde er in diesem Jahr vom Hammelvorstand auf eine Besserungsmission nach Asien ausgesendet, um dort sein Glück zu finden und eine holde Maid nach Hause zu führen. Sie soll ihm in Zukunft den Hammel vom Hals halten und Ordnung und Disziplin bescheren.

Der Kirmesmontag stand dann wieder unter einem besseren Stern. Gleich zwei Fässer Freibier lockten endlich wieder mehr Gäste auf unseren Saal, das Ganze unter dem Motto „The Show must go on“ – mit eisgekühlter Musik, bester Laune und den Menschen, die Gemeinschaft und Geselligkeit nicht vergessen haben. Die gute Stimmung konnte dieses Jahr auch der Hammel nicht verhindern, als er zum Frühschoppen mit einem Paketdienstauto im Dorf umherirrte und in seiner Dummheit mit einem Amazon-Auto kollidierte, dem wegen unserer gewöhnungsbedürftigen Straßenführung schwindlig geworden war. So konnte sich unser Gastwirt mit frisch eingegipstem Fuß und einem Fass Bier zu seinem 40. Geburtstag ungestört von allen Gästen hochleben lassen.

„Kirmes soll sein!“ Zum Wohl!

In einem weiteren Punkt wird dem Hammel zum wiederholten Male vorgeworfen, das gemeinschaftliche Leben hier im Ort gezielt zu stören. Das traditionelle Hausener Fußballerlebnis Unterdorf gegen Oberdorf wurde rücksichtsvoll auf das mögliche Antenne-Thüringen-Fest in Niederorschel auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Dieses Event ging leider trotz großer Unterstützung vieler Zwillingspärchen in einer Antenne-Thüringen-Aktion für Niederorschel ganz knapp an Sömmerda verloren. Hilfsbereit und kumpelhaft wie Sau – so sind wir Hausener nun mal – gab es sogar ein Radiointerview, in dem ein Hausener Zwillingspaar ganz professionell Werbung für Niederorschel gemacht hat. Der Dank dafür ist nun, dass unsere berühmte Fußballtradition bei nächstbester Gelegenheit im Nachbarort eiskalt kopiert wurde.

Auch weitere Veranstaltungen und Events in unserem Heimatort sabotierte der Hammel, wo er nur konnte – mit mehr oder weniger Erfolg. So machte er sich an der Kettensäge unseres HCV-Präsidenten zu schaffen, die ihn zwei Tage vor dem großen Büttenabend schwer verletzte und aus dem Programm nahm. Unser kleiner Mann hinterließ dadurch eine so große Lücke zum Büttenabend, dass gleich zwei Ersatzpräsidenten notwendig waren, um seine Fußstapfen würdig zu füllen.

Ein weiterer Streich folgte vom Hammel, als er beim traditionellen Auftritt des Hausener Männerballetts zum Weiberfasching in Niederorschel seinen blanken Allerwertesten präsentierte – angeblich vollkommen spontan und ohne Hintergedanken. Beim Hausener Sommerfest kam der Hammel auch wieder voll auf seine Kosten. Organisiert von den Hausener Vereinen, entstand ein Super-Gaudi, wie wir ihn lange nicht mehr erlebt haben. Die tolle Stimmung am Samstagabend war einmalig, und so wurde der eigentlich für unsere kleinen Gäste aufgebaute Pool mit Wasserrutsche und Heizung ein Spaß für kleine und große Kinder bis in die späten Abendstunden.

Das hatte der Hammel sich so nicht vorgestellt, als er im Vorfeld die Einladung zu diesem Fest an alle Bewohner im Hausener Ortskanal mit einem Kotze-Smiley kommentierte und damit die Motivation und Vorbereitungen der Hausener Vereine mit Füßen trat. Stattdessen hätte er sich lieber unters eigene Volk mischen sollen. Dann hätte er auch das „berauschende“ Erlebnis gehabt, als unser stellvertretender HCV-Präsident – so wie Gott ihn schuf – einen Meter Kaltgetränke am Bierwagen abholte.

Auch eine legendäre Erfindung gab es beim Sommerfest: eine neue Getränkemischung mit Bier und der allen bekannten 21er-Brause – früher hergestellt in der Hausener Brauerei, so viel Zeit muss sein – soll aufgrund ihrer Farbe den gewöhnungsbedürftigen Namen „Menstruationssuppe“ bekommen. Die neue Rezeptur wurde natürlich urheberrechtlich geschützt, da schon gemunkelt wurde, dass ein großes österreichisches Brauseunternehmen sofort ein Auge darauf geworfen hat.

Nun zu weiteren Schandtaten unseres Hammels, dessen Schlechtigkeiten scheinbar keine Grenzen haben. So zog er eines Tages im Ort umher und verwirrte gleich zwei Autofahrer unabhängig voneinander mit seinem Geschwätz, sodass diese ihre Autos beide mit falschem Kraftstoff betankten und in die Werkstatt mussten. Selbst ein danach geliehener Ersatzwagen gab nach einem Tag auf mysteriöse Art und Weise auch den Geist auf.

Wenn das die Lösung dafür sein soll, dass wieder markierte Parklücken frei werden und eine Fahrt durch Hausen kein Riesenslalom mehr ist, dann soll er erst einmal abwarten, bis die Schöllbornstraße fertig ist und es dann einen Rundkurs mit Zeitmessung für Hobby-Lückenspringer gibt.

Weiter wird dem Hammel vorgeworfen, sich auf einer auswärtigen Kirmes danebenbenommen zu haben, indem er auf dem Festsaal eine Zigarette anzündete und es fast zu Handgreiflichkeiten kam. Ein Zeichen des mangelnden Fleißes einiger unserer Hammelbrüder wollte Lemmy setzen, indem er zum Mittelalter-Weihnachtsmarkt am Eingang des Ausschankzeltes ein Schild mit der Aufschrift „Zum müden Burschen“ platzierte.

Seiner heutigen Anklage und Verurteilung wollte der Hammel entgehen, indem er mit einem Traktor die Vorstandskutsche schwer beschädigte. Um eventuelle Zeugen auf seiner anschließenden Flucht abzuschütteln, entwendete er hinter dem Gemeindesaal eine Reihe von Kfz-Kennzeichen und zog diese Fahrzeuge gezielt aus dem Verkehr. Kurz aufgehalten wurde er dabei auf seiner Flucht mit dem Diebesgut in der Tasche, als er im Oberdorf jemanden beim Anfüllen von Erde an seinem Grundstück beobachtete. Um neuen Ärger zu schüren, informierte er umgehend einen fachkundigen Ökologen und einen Ordnungshüter, um zu prüfen, ob sich in der Erde belastete Stoffe befinden oder nicht.

Seltsame Wetterphänomene sind ja in Hausen mittlerweile nichts mehr Neues. Tagesweise anhaltendes Sommerwetter bei 30° brutto schien sofort vom deutschen Fiskus besteuert, und so gab es mehr nasskaltes Wetter unter 20° als warmes. Dauerregen und auch kurze Starkregenschauer sorgten dafür, dass gleich zwei große Bäume umstürzten. Während der Hammel mit fünf Feuerwehrautos vor einem dieser Bäume stand und die Zuständigkeit zur Beseitigung klären musste, wurde der zweite umgestürzte Baum in Nullkommanichts und ganz pragmatisch von einer Handvoll Kindern mit einer Handbügelsäge ofenfertig verladen.

Ganz gegen den Trend in Deutschland, wo alles stagniert und die Wirtschaft vor großen Problemen steht, geht es bei uns in Hausen produktiv weiter, und man kann mit großer Freude größere und kleinere Bauprojekte beim Wachsen beobachten. Ganz nach dem Motto „Geduld ist stärker als Gewalt“ lässt sich ein Häuslebauer ganz in Eigenleistung nicht aus der Ruhe bringen, wenn er über die Straße sieht, wie dort in Rekordzeit ein Megaprojekt aus dem Boden schießt. Selbst unser Spielplatz machte im Sommer die versprochenen Fortschritte, und man hörte viele positive Meinungen.

Die letzten Hoffnungen, nach jahrelangem Kampf den geplanten Radweg zwischen Hausen und unserer Obergemeinde zu realisieren, zerschlug der Hammel, indem er sich weiterhin querstellt, das letzte entscheidende Stück Land an die Gemeinde zu verkaufen. Der nächste Bauabschnitt für die Straßen- und Kanalerneuerung hat in diesem Jahr dann die Bewohner der Schöllbornstraße erreicht. Um die Straßenführung für Lemmys Slalom-Rundkurs im richtigen Konzept zu halten, mussten sich einige Anwohner schmerzhaft von ihren schönen Vorgärten und Einfahrten trennen. Selbst der berühmte Schöllborn, der dieser Straße den Namen gibt, muss unfreiwillig umziehen.

Für die Dauer der Bauzeit werden natürlich Außenparkplätze für die Anwohner benötigt. Ihre Autos versperren aus Platzgründen seitdem die Zufahrt zur weltbekannten Wallfahrtsscheune im Winkel – der Ort, an dem es auserlesene Weine zur Verkostung gibt und der mittlerweile auch unüberhörbar einen Proberaum für eine Oldie-Rockband im Obergeschoss beherbergt.

Im letzten Punkt für heute, nun zum Highlight dieses Jahres: Nach einer etwas größeren Pause fand endlich wieder das Rockfestival HOA statt. Für diese beeindruckende Organisationsmeisterleistung mit dem Motto „Rock meets Blasmusik“, für alle Geschmäcker, machte sogar das schlechte Wetter für drei Tage eine ehrfürchtige Pause. Merchandising-Produkte, die bis über die Grenzen von Berlin verkauft wurden, und Werbebanner bei einem anderen bekannten Festival haben das Potenzial, Hausen weltberühmt zu machen. Und was machte der Hammel? Er hatte wieder nichts Besseres zu tun, als im Schutz der Internetanonymität mit unsachlichen Kommentaren Unruhe zu stiften. Da sich Lemmy scheinbar über jeden einzelnen Gast beim Event ärgerte, schloss er hinterlistig einem Besucher sein nagelneues Hoftor von innen zu, welches beim Versuch, es zu später Stunde zu überklettern, derben Schaden erlitt. Musikgeschmack hin oder her – so ein Event für so einen kleinen Ort ist eine ganz große Nummer! Danke und ein lautes Prost auf das Orga-Team!

In diesem Sinne schließen wir hiermit die Anklagepunkte und gehen zur Urteilsverkündung über. Wir verurteilen hiermit, am heutigen Kirmestage, den Hammel zu folgenden Strafen:

Im ersten Punkt: Er hat in Zukunft nicht mehr durch politische Meinungsverschiedenheiten das Dorfgemeinschaftsleben zu stören und hat dafür zu sorgen, dass das so oft beworbene Wahlmotto „Wir sind EINS und gemeinsam stark“ auch gelebt wird.

Des Weiteren hat er im zweiten Punkt: Wegen seines Vandalismus am Klettergerüst des Hausener Spielplatzes für die dringend ausstehende Sanierung des Kleinfeldfußballplatzes aufzukommen und diese durchzuführen.

Im dritten und letzten Punkt: Er wird zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, um sich in die Grünpflege des Ortes einzubringen, und er hat sich der von vielen Einwohnern nicht wahrgenommenen Straßenreinigungspflicht anzunehmen – diesmal ohne Überstundenvergütung. Wenn unser schöner Ort traurigerweise schon als „Randdorf der Einheitsgemeinde“ betitelt wird, muss dieser nicht auch noch so aussehen. Außerdem hat er die gesamten Kosten des Verfahrens in Form von zwei Fässern Freibier zu tragen. Anschließend wird er dann seinem Scharfrichter übergeben.

Auch im nächsten Jahr soll es hier in unserem Heimatort wieder heißen: „Kirmes soll sein!“ Wir freuen uns heute schon wieder auf alle Gäste, Einheimische, Altheimische und die, die extra über Land kommen, um uns hier jedes Jahr die Treue zu halten. In diesem Sinne schließen wir diese Sitzung und möchten uns für euer zahlreiches Erscheinen bedanken.

Im Namen aller Hammelbrüder wünschen wir noch frohe und nette Stunden hier. Bleibt gesund und munter.

 

Bis zur nächsten Kirmes grüßen:

 

Die Kirmesburschen

Geschrieben 2025 von

David Schäfer

Hammelrede 2024

Verehrte Festgemeinde,

liebe Gäste aus nah und fern,

treue Hammelbrüder!

 

Als Vertreter der Hausener Kirmesburschen heiße ich euch zu unserem heutigen Festumzug auf das herzlichste willkommen.

Wieder ist ein Jahr vergangen und wir haben uns hier versammelt, um unser 73. Hammelausreiten in altbekannt würdiger Form zu begehen.

 

Auch in diesem Sonder-Wahljahr haben wir wieder über Begebenheiten und Vorkommnisse

in unserem kleinen, aber feinen Dörfchen nach „Hammelbruderart“ zu berichten.

Unser diesjähriger Hammel mit dem Namen „Dieter der Dschungelkönig“ hat unzählige große und noch größere Untaten verübt, die vor diesem Hohen Gericht bekannt gemacht werden müssen.

 

Wir schicken jetzt Reiter und Wagen aus, um dieses heimtückische und hinterhältige Tier im Schafspelz aus seiner Herde zu erhaschen.

 

Reiter und Wagen, schwärmt aus!

 

Nachdem die Reiter ausgeschwärmt sind, um den Hammel vor dieses Außerordentliche Kirmesburschengericht zu stellen, beginnen wir heute zuerst mit einer weiteren Auffrischung der Tradition der Hausener Hammelanklage und fahren anschließend mit der Verlesung der Anklagepunkte in gewohnter Art fort.

 

Die aus alter Tradition stammende Hammelanklage beschäftigt sich nun zum 73. Mal mit Themen, die die Hausener Bürger im jeweils vergangenen Jahr beschäftigten…

UND bis heute, ohne zu gendern…das wird in Zukunft auch so bleiben.

Sollte sich auch in diesem Jahr der eine oder andere in einer Textpassage wiederfinden,

ist ihm hoffentlich bewusst, dass es auf eine eigene lustige Hausener Art und Weise eine Ehre ist, hier erwähnt zu werden.

Das werden wir auch nicht ändern… auch nicht nach der Erweiterung des Einzugsgebietes unseres Hammels.

Wem wir dennoch zu nahegetreten sind, weil man nicht mit unseren Traditionen vertraut ist, und deshalb schlechte Stimmung im Hintergrund auf den Kirmesverein nötig hat, ist bei uns Hammelbrüdern jederzeit herzlich auf eine Aussprache und ein Versöhnungsbier eingeladen. „Kirmes soll sein!“

Zum Wohl

 

Wir beginnen nun mit der Verlesung der Anklagepunkte:

 

Unser diesjähriger Hammel ist scheinbar ein sehr schlaues Tier und unterscheidet sich sehr

offensichtlich von seinen Vorgängern in der Vergangenheit.

Seinen ersten Fehler beging er schon, indem er die Wachsamkeit und Intelligenz der Hausener Bürger vollkommen unterschätzt hat, und dachte wohl, dass hier niemand mitbekommt, wenn er seine hinterhältigen Schandtaten seit neuestem aus sicherer Ferne und

mit Komplizen als Schutzschild ausführt.

 

So sandte er einen seiner Artgenossen aus, um sich beim letzten Kirmestanz über die immer noch fehlende Zapfanlage auf UNSEREM Saal zu belustigen.

Als er sah das doch das Bier in großen Mengen strömte, war er sehr frustriert über die Hausener Flexibilität, suchte sich den nächstbesten Kirmesgast, und schlug ihm

grundlos die Nase kaputt.

Des Weiteren machte sich Dieter darüber lustig, dass auch die Hausener nicht von immer weiter rückläufigen Gästezahlen verschont bleiben, das gesamte Kirmeswochenende betrachtet

Was auch weiter daran liegt, dass viele Einwohner lieber ihren Urlaub aufs Kirmeswochenende legen, als hier die Heimat zu unterstützen.

Dadurch hat Dieter einen wirklich tollen Umzug verpasst.

Es gab mal wieder ASTREINE Kostüme zu bewundern.

Diese Kostüme haben so großen Eindruck hinterlassen, dass es dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte einen Sieger bei der Wagenprämierung gab… der gar keinen Wagen hatte.

Ganz irritiert von dieser Nachricht setzte sich Arielle die Meerjungfrau erst mal auf eine geschlossene Toilette in der Schöllbornstraße und zerbrach mit ihrem zarten Körpergewicht glatt den Deckel.

Viele weitere einfallsreiche Ideen konnte man nach Hausener Art in Wagen und Fußvölkern

sehen.

Ein großes mobiles Baustellenradio, unter dem ein nicht ganz CO2-neutrales Antriebsfahrzeug versteckt war, reihte sich gleich hinter einem eigens angereisten Wanderzirkus ein.

Auch war es beeindruckend, dass der Fernsehsender RTL aufgrund anhaltender idealer vegetativer Grundverhältnisse die neue Staffel des Dschungelcamps in Hausen produziert hat.

Deshalb haben wir uns vorgenommen, den lang vermissten Hausener Kirmestraditionsschnaps „Stichimpuli“ wieder ins Programm aufzunehmen und ihn dann den Produzenten bei RTL in einem Präsentkorb als Dankeschön zu senden, da sie es uns ermöglichten, den seit langer Zeit entstandenen Dschungel in Hausen wenigstens touristisch zu nutzen.

Die wichtigste Person beim letzten Umzug war aber ausnahmslos eine Wahrsagerin aus dem angereisten Wanderzirkus.

Vielen Umzugsteilnehmern und Kirmesgästen hat sie an diesem sonnigen Kirmestag eine positive Zukunft vorausgesagt und damit viel Freude ins Herz gebracht.

Wie es um ihre eigene Zukunft stand, konnte sie nicht ahnen, und nun fehlt sie uns allen sehr.

Wir möchten unserer Sandra den heutigen Umzug widmen und wissen, dass sie trotzdem unter uns weilt und nicht gewollt hätte, dass wir heute alle traurig sind.

 

Eine große Überraschung und Freude bot uns auch unser Gastwirt auf Zeit und jetzt nicht mehr amtierender Ortsteilbürgermeister, als er am Sonntagabend hinter dem Tresen vortrat, ein Schlagzeug aufbaute, und zusammen mit dem Vorstand für die letzten verbliebenen Kirmesgäste live Musik machte, anstatt sie vom Saal zu kehren.

Damit wurde hier auch in einem wichtigen negativen Punkt aus der Vergangenheit aufgeräumt und klare Kante gezeigt.

An dieser Stelle möchten wir wiederholt die Gelegenheit nutzen und junge Burschen in unseren Reihen zu motivieren, sich solche tollen Abende nicht länger entgehen zu lassen.

Bitte zündet nicht weiter nur zu Silvester das halbe Dorf an…. sondern kommt:

„Raus aus der Bude und rein in den Verein“ und zündet damit positiv in die Zukunft!!!

 

Um die weitere Verbreitung seiner Schandtaten einzudämmen, versuchte der Hammel seinen größten Kritiker und jährlichen Hauptankläger aus dem Verkehr zu ziehen, indem er ihm die Zugtür zuhielt, als dieser am Hausener Bahnhof aussteigen wollte.

Die Reise endete dann eine Station weiter, wo er sich mit dem Auto abholen lassen musste.

Auch für einige massive Ölspuren ist der Hammel in diesem Jahr verantwortlich.

Mehrfach betroffen war dabei die Brücke im Klapperfahrt. Die erste – ausgelöst durch eine unsachgemäße KFZ-Wartung in einer anliegenden Autowerkstatt – und eine zweite Ölspur, die Dieters Kollege mit dem Müllauto verursacht hat.

Diese war so massiv, dass sie sogar unsere Hausener Ein-Mann-Feuerwehr überforderte.

Unterstützung kam Gott sei Dank schnell, unter anderem auch von den Kleinbartloffer Kirmesburschen, die zu diesem Einsatz hier in Hausen zahlreicher waren, als die eigenen Burschen zu regulären Vereinsversammlungen.

Noch mehr Unheil richtete der Hammel an, indem er wieder mal auf Einbruchstour war und in einem bekannten Haushalt am Roteberg massiven Schaden anrichtete.

Weniger Glück hatte er beim Diebstahl von Baumaterial im Sommerweg,

als er mit moderner Technik bei seiner Schandtat live beobachtet wurde.

Letztendlich beging er einen taktischen Fehler, als er auf seiner Langfingertour vor dem Erinnerungsgemälde unseres Gemeindetraktors auf einer Scheunenwand Halt machte und sich fragte, warum dieser mit einem platten Reifen dargestellt sei.

In diesem Moment hätten ihn die Ordnungshüter fast geschnappt und dingfest gemacht.

 

Die Zeit vergeht wie im Flug, und für die nächste Legislaturperiode eines Dorfschulzen wurden alle Hausener Einwohner wieder regulär an die Wahlurne gebeten.

So spannend wie zu dieser Wahlperiode ging es in Hausen definitiv noch nie zu.

Und dem Hammel war es auch sicher recht, dass die ausgelaufene Amtszeit

nur für 2 Jahre angesetzt war.

So konnte die kurze Zeit gut genutzt werden, um den demokratisch gewählten neuen Amtsinhaber mit verweigerter Zusammenarbeit mürbe zu machen und so eine weitere Kandidatur zu verhindern.

Da schlägt es im Orschler Schulzenamt definitiv 13, wenn man dann auch noch mit einem Wahlslogan „vom Ihr zum Wir“ im eignen Wahlkampf arbeitet.

Viele wichtige Themen, wie zum Beispiel die Aufklärung, was ein Hausener tun muss, um

positiven Einfluss im großen Gemeinderat für unseren Ort aufrechtzuerhalten, ging

im harten Wahlkampf unter.

Total verwirrt von dem Gerücht, dass Gemeinderatskandidaten auf einem großen Wahlplakat an der Bushaltestelle nur eine Boyband seien, wählten viele Hausener ihre Wunschkandidaten aus anderen Ortsteilen.

Das hat nun zur Folge, dass Hausen nur noch einen Sitz und neuem Ortsteibürgermeister im großen Gemeinderat hat, und nun alle Hoffnungen auf diesen beiden Fürsprechern für die Sorgen und Nöte unseres Ortsteils lasten.

 

Im nächsten Punkt der Anklageliste müssen wir den Hammel zum wiederholten Male

wegen mehrfach versuchter Störung der Hausener Feierlaune anschuldigen.

Da ist es auch keine Entschuldigung, dass Dieter vom wochenlangen Getröte an den Bahngleisten genervt und durch Schlafmangel unzurechnungsfähig war.

Zum Ersten hielt er viele Hammelbrüder davon ab, die Einladung zu einem geselligen Vorabend der kleinen Kirmes wahrzunehmen, obwohl es selbstgeschachtetes vom Vorstand und Freibier bis zum Abwinken gab.

Dann versuchte er die gute Stimmung am Karnevalswochenende zu stören, indem er die Heizung auf dem Saal manipulierte, und dort irgendwie in zweierlei Hinsicht eine kühle Atmosphäre war.

Doch schnell bemerkten viele Hausener die intriganten Schachzüge des Hammels und

Bewiesen, dass wir hier doch immer noch die alten sind.

Den Spendengeldskandal vom letzten Sommerfest verdrängt, kamen wieder viele zum Sommerfest der Vereine und der Ortsteilgemeinden.

Dort gab es eine Neuauflage des Klassikers Oberdorf gegen Unterdorf …das ab nun heißen soll: Alt gegen Jung.

Bei süffiger Stimmung wurde zusammen Fußball auf Großbildleinwand geschaut und gesellige Frühschoppenspiele gemacht.

Auch der Sankt-Martins-Umzug war dieses Jahr ein besonderes Highlight.

Wer dort noch nicht vom Hörnchenteilen, Glühwein und vielen anderen Leckereien

genug hatte, zog im Anschluss mit in die Nachbarschaft, wo bis in die späten Stunden

gesellig das Hausener Dorfleben gefeiert wurde.

 

Zum Aufhängen der ersten Schützenscheibe in Hausen lud unsere Majestät der Schützenkönig alle durstigen Untertanen zu einem ausgelassenen Gelage ein.

Nur der Hammel war nicht geladen wegen seiner bekannten Alkoholunverträglichkeit

und den Folgen seiner unkontrollierten oralen Entleerungen.

Verärgert darüber und um von sich abzulenken, stiftete er einige Wochen später 3 harmlose Hammelbrüder in wichtigster Führungsebene an, sich mal so richtig volllaufen zu lassen.

Eigentlich wollten die 3 nur mal auf ihren Erfolg anstoßen, da sie es geschafft hatten den Hausener Kirmesburschenverein nach jahrelangem Hin und Her endlich zum

„Kirmesburschenverein Hausen ANNO 1951 E.V.“ weiterzuentwickeln.

Das Ganze endete in einer übel nach erbrochenem riechenden Reinigungsaktion eines unschuldigen PKWs.

 

Immer größere Beliebtheit genießt auch unser Gemeindesaal für Familienfeiern externer Gäste. Dieters neues Geschäftsmodell unseren Saal in bester Lage, mit der Option auf Selbstversorgung, scheint mittlerweile so lukrativ zu sein, dass es sogar durch professionell gefilmte Werbung immer weiter angekurbelt wird, um mehr Geld in die Gemeindekasse zu spülen.

Alte ungeschriebene Gesetze, das Einwohner von Hausen, vor allem diejenigen, die

damals ehrenamtlich und sogar mit Privatvermögen diesen Bau ermöglicht haben,

immer Vorrang auf eine Reservierung haben, scheinen Schnee von gestern.

Eine rechtzeitige Buchung ist daher dringend ratsam, da sogar eine große Geburtstagsfeier, die direkt auf das Kirmeswochenende 2025 fällt, problemlos genehmigt wurde.

Aus gegebenem Anlass wollen wir uns auf diesem Wege nochmals beim Hammel bedanken, dass wir HIER heute UNSERE Kirmes feiern dürfen.

 

Nun ist es ja kein Geheimnis, dass unser selbsternannter Dorfsheriff gern mal auch außerhalb der Dienstzeiten nicht sparsam mit Strafzetteln ist.

Beim Fahren ohne Helm oder Fahren mit Anhängern ohne Zulassung … da gab es in der Vergangenheit schon selbst bei einheimischen keine Gnade.

Lieber schaut man gern mal weg, wenn wieder ein Vereinskamerad mit Alkohol im Blut nach einem sonntäglichen Frühschoppenbesuch den Hundesportplatz im Auto verlässt

Aber wenn der Breitenhölzer Bürgermeister in der Buswendeschleife parkt, um dort seine holde Maid zu besuchen, dann wird mit einem anderen Maß gemessen und es klingelt die Kasse.

 

Da das Fernsehen ja Hausen nun mit seiner neuen Staffel des Dschungelcamps in positiver Erinnerung hat, suchten die Produzenten gleich nach noch mehr Potenzial für andere Produktionen.

Mit scharfem Auge beobachteten sie, dass man seine Resi hierzulande nicht mehr mit dem Traktor abholt, sondern mit einem eigenen Reisebus.

Schade ist nur, dass zum Zeitpunkt der ersten Dreharbeiten für die neue Staffel „Automechaniker sucht Frau“ der Busfahrer wegen eines kaputten Fußes infolge eines Getränkeunfalls nicht zur Verfügung stand.

Um die entgangenen Einnahmen durch den Produktionsausfall wieder reinzuholen, musste sich der Busbesitzer was Neues einfallen lassen und konzentriert sich nun auf das Geschäft mit dem Sauftourismus.

Da jetzt auch immer öfter holländische Kanabistouristen mit eigenem Anbaugebiet in der Schöllbornstraße eingefahren werden, wird derzeit ermittelt, ob dieses Geschäft noch legale Wege geht.

 

In diesem Sinne schließen wir hiermit die Anklagepunkte und gehen zur Urteilsverkündung über!

Wir verurteilen hiermit, am heutigen Kirmestage, den Hammel zu folgenden Strafen:

Im ersten Punkt:

Hat er den entwendeten Gemeindegrill wieder an unseren neuen Schulzen zurückzugeben, inklusive einer Palette Ölbindemittel als Wiedergutmachung und Entschädigung.

Des Weiteren hat er im zweiten Punkt:

Seinen Komplizen preiszugeben, der am derzeit einzigen Neubau im neuen Wohngebiet die Hausfassade und den Garten mit einer übel stinkenden Substanz verunreinigt hat.

Um hier ideellen und finanziellen Schadensersatz zu leisten, muss der Hammel heute seine letzte Locke geben.

Im dritten und letzten Punkt:

Hat er das gesamte nächste Kalenderjahr für ausführlichen Winterdienst im gesamten

Ort zu sorgen.

So soll er lernen, dass es keine Art und Weise ist seine Nachbarn wegen Winterdiensgesetzen dermaßen aggressiv anzugehen, dass diese vor Angst die Polizei rufen müssen.

 

Anschließend wird er dann seinem Scharfrichter übergeben.

 

Auch im nächsten Jahr soll es hier in unserem Heimatort wieder heißen:

„Kirmes soll sein!“

Wir freuen uns heute schon wieder auf alle Gäste, einheimische, altheimische und die, die extra über Land kommen, um uns hier jedes Jahr die Treue zu halten!

 

In diesem Sinne schließen wir diese Sitzung und wünschen im Namen aller Hammelbrüder noch frohe und nette Stunden hier. Bleibt gesund und munter!

Bis zur nächsten Kirmes grüßen:

 

Die Kirmesburschen

 

Geschrieben 2024 von

David Schäfer

 

 

 

Hammelrede 2023

Verehrte Festgemeinde,

liebe Gäste aus nah und fern,

treue Hammelbrüder,

 

als Vertreter der Hausener Kirmesburschen heiße ich euch zu unserem heutigen Festumzug auf das herzlichste willkommen.

Schon wieder ist ein Jahr vergangen und wir haben uns hier versammelt, um unser 72. Hammelausreiten in altbekannter, würdiger Form zu begehen.

Auch in diesem Jahr haben wir wieder über Begebenheiten und außergewöhnliche Vorkommnisse in unserem kleinen Dörfchen nach Hammelbruderart zu berichten.

Unser diesjähriger Hammel mit dem Namen “Hardy der Holzseelsorger“ hat zahlreiche Untaten verübt, die hier vor diesem traditionellen Kirmesburschengericht bekannt gemacht werden müssen.

Wir schicken jetzt Reiter und Wagen aus, um dieses heimtückische und hinterhältige Tier im Schafspelz aus seiner Herde zu erhaschen.

 

Reiter und Wagen, schwärmt aus!!

 

Nachdem die Reiter ausgeschwärmt sind, um den Hammel vor dieses außergewöhnliche Kirmesburschengericht zu stellen, beginnen wir mit der Verlesung der Anklagepunkte:

Unser diesjähriger Hammel ist wieder mal einer der hinterhältigsten seiner Art und steht seinen Vorgängern in nichts nach.

So fing er gleich zum Saisonstart am letzten Kirmesfreitag an und führte gezielt alle beteiligten Burschen beim Ausgraben der Kirmes in die Irre. Nur durch puren Zufall traf man beim Graben zwischen allerlei Unrat auf die für immer verloren geglaubten Schnapsflaschen…. und auch auf noch weitere ältere aus Vorjahren.

Diese Situation verzögerte den Start unserer beliebten Dorfdisco ungemein.

Dass der mit Freude wiedergefundene Schnaps in vollem Umfang entleert werden musste, versteht sich von selbst.

Ein Husener lässt ja bekanntlicherweise, von Natur aus nichts umkommen.

Vom Geist des Schnapses benebelt, zettelte der Hammel gleich am ersten Abend des Kirmeswochendendes wortwörtlich eine sehr „dämliche“ Rangelei an.

Das war natürlich ganz im Sinne von Hardy, der auch gleich seine nächste Untat

ins Rollen brachte, indem er neidisch auf die überwältigende Stimmung beim Hausener Kirmestanz über Land in Richtung Niederorschel nach Hause lief und dort heimtückisch eine Pferdeweide öffnete.

Dass diese Untat in der Nähe der Bahngleise geschah und große Gefahr im Verzug bestand, interessierte weder ihn noch die „zufällig“ vor Ort anwesenden Ordnungshüter, bei der Beschlagnahmung einer Fahrerlaubnis.

Noch müde und völlig aus dem Konzept von den ersten 2 Kirmestagen voller Hinterhältigkeiten schien der Hammel kurz den Faden verloren zu haben.

Für die Umsetzung von weiterem geplanten Unrecht fehlte ihm kurzzeitig der Antrieb.

Einem heimatlichen und sonnigen Kirmessonntag stand dadurch nichts mehr im Wege.

Der beste Tag des Jahres in allen Hausener Kalendern startete zum Festhochamt mit neuem Seelsorger und ordentlich frischem Wind aus dem Weihrauchfass…geschwenkt durch 2 rekrutierte und sehr kräftige Messdiener.

So mancher Bursche bereute seine Sünden der Vortage und musste seinen Kreislauf erst mal mit einem Frühschoppenbier wieder in Gang bringen.

Beim anschließenden Umzug war deutlicher als je zuvor zu sehen, was die Hausener Kirmesgemeinde so beschäftigt.

Fast jedes Motto hatte irgendwas mit Energiekrise oder Brennstoffen zu tun, da der Winter vor der Tür stand, alle Einwohner von der Regierung in Panik waren und Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin hatten.

In Selbstjustiz waren furchterregende Ressourcenjäger unterwegs und raubten selbst der armen Hexe „Baba jaga“ das letzte russische Gas aus ihrem Hühnerfuß, um für die Hausener den Winter zu sichern.

Wo die Krawatte eines Breitenhölzer Kirmesburschen am Schläger eines der Jäger herkam, wollen wir gar nicht wissen und wird hoffentlich auch nicht weiter ermittelt.

Andere gingen da humanitärer ans Werk und teilten Stromausfall Notfallsets aus.

Zum Kirmesmontag wurde der Hammel wieder munter und ging mit neuer Kraft ans Werk.

Das Dusseligste, was er jemals fertigbekommen hat, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Gleich nach dem Segen am Hausener Weltkriegsdenkmal beim Burschenamt, war die erste Hälfte der Hammelbrüder, getrieben vom Durst, schon weg und die andere Hälfte machte ein Fotoshooting, während der Ehrenkranz noch vergessen und unbeachtet an der Kirchenmauer lag.

Vom schlechten Gewissen geplagt, traute Hardy sich den ganzen Kirmesmontag nicht mehr auf den Saal und stellte sich zu allen anderen, die lieber an der Raucher-Insel den Tag verbrachten, um dort Jahr für Jahr die feierlustigen Gäste abzufangen.

Die frohe Kunde, dass es in Hausen wieder einen Mittelalterweihnachtsmarkt gibt, wurde professionell in mittelalterlicher Sprache als Postwurfsendung an alle Einwohner verkündet.

Darüber freuten sich nicht nur die Anwohner, sondern auch viele auswärtige Gäste, die von klassischen Weihnachtsmärkten mal eine Abwechslung brauchten und nach etwas Besonderem suchten.

Den privaten Organisatoren in Zusammenarbeit mit vielen fleißigen Einheimischen und beteiligten Vereinen sei Dank für diese unvergessliche Weihnachtsstimmung.

Nur wenige wussten zu dieser Zeit, dass es vorerst die letzte öffentliche Veranstaltung auf dem Damm ist, vor der Zerstörung dieses Hausener Wahrzeichens.

Pünktlich im neuen Jahr kreiste ein Hubschrauber über unserem Naturreservat und begann die radikal gerodeten Bäume zu meterhohen Haufen auszufliegen.

Dabei entstand auch klammheimlich ein großer Haufen ausgewählter Stämme in Hardys Garten, ohne Absprache.

Die neue Waldschenke auf dem Viereck war gerade erst als neuer Naherholungspunkt zurückgewonnen und wird nun mehr erfolglos als neuer Aussichtspunkt in Richtung des Örtchens angeworben.

Die Initiative einiger Naturschützer, jede zu rettende alte Eiche am Bahndamm mit 1 € pro Kiste Bier zu retten, wurde von unzähligen auf Brennholz lauernden Hausener Sparfüchsen ausgebremst.

Um hier eine friedliche Verteilung zu organisieren, musste ein mutiger Mann mit viel menschlichem Feingefühl als Moderator und Seelsorger eingesetzt werden.

Wegen zu hoher Absturzgefahr am nun kahlen steilen Bahndamm, musste deshalb auch das diesjährige Osterfeuer erstmals an einer Alternativstelle stattfinden.

Hierzu war einer der 5 verwaisten Bauplätze im neuen Wohngebiet perfekt geeignet, was dem Hammel allerdings gar nicht schmeckte.

Um sein gerade erst ergattertes brennbares Gold vom Damm in seinem Garten vor Dieben zu schützen, forderte er übertriebenerweise die Veranstalter auf, dort einen diebstahlsicheren Schutzzaun zu errichten.

Auch Fasching wurde in Hausen wieder tüchtig gefeiert.

Sichtbar nervös aber mit seinem einzigartigen Witz und Humor führte unser Piccolo endlich wieder durch einen Büttenabend der Superlative.

Ungebremst in seiner Motivation gab es von ihm sogar noch einen Überraschungsbonustrack zum alljährlichen internen Kirchenchorfest.

Auch gab es noch nie so viel motivierten und talentierten jungen Nachwuchs wie in dieser Saison, und diesen zu koordinieren war eine wahre Meisterleistung unserer Tanztrainerinnen.

Die unvergessenen und legendären Dorftratschen Kätchen und Euladia müssen ab nun unumstritten ihren Kultstatus mit Tobi und Glori teilen, die sich dieses Jahr ein klein wenig kürzer fassten und dadurch bis zur letzten Minute tosenden Applaus bekamen.

Aber wie soll es anders sein…wo gute Stimmung ist, da muss der Hammel wieder stänkern.

So schubste er heimtückisch den Kapellmeister aus seiner kleinen Ecke die Treppe runter, den er dadurch schwer verletzte. Und das tat der Hammel angeblich nur, weil er den Karnevalsmarsch nicht mehr ertragen konnte.

Auch so manche Eltern kamen ins Schwitzen, als ihre Kinder zum Kinderfasching auf einmal mit Parisern in der Hand und unangenehmen Fragen vor ihnen standen.

Hardy streitet derzeit immer noch ab, irgendetwas mit diesen Streichen zu tun zu haben.

Nun denkt sich der eine oder andere Außenstehende vielleicht:

Die Hausener, die glauben, sie haben große Probleme mit ihrem Hammel?

Das ist doch alles nicht so wild, wenn man sich mal im Rest der Republik umschaut:

So viele Gefahren rücken näher, und es wurden mittlerweile auch schon die ersten Straßenkleber im Eichsfeld gemeldet.

Deshalb gilt die besondere Aufmerksamkeit der Hausener Einwohner unserem Hammel, damit er sich nicht wie einige seiner Kollegen, mit den Hufen auf dem neuen Asphalt unseres Ortes festklebt.

Sinnbildlich für die rückläufige Entwicklung des ganzen Landes steht auch unsere deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die einst Angstgegner auf der ganzen Welt war, und nun bei der letzten Weltmeisterschaft als Land der ausgehenden Lichter gegen das Land der aufgehenden Sonne, mal wieder frühzeitig ihre Koffer packen musste.

Einen definitiv besseren Unterhaltungswert hatte da unser Traditionsfußball „Unterdorf gegen Oberdorf“, das auf frisch gewalztem Kleinfeld auf dem Sommerfest des Ortsteilrates ausgetragen wurde, und trotz umstrittener Schiedsrichterleistung mit einem ausgeglichenen und gerechten Ergebnis endete.

Oder große Hausener Geburtstagsfeten mit flippigen Mottos, zu denen gegebenenfalls auch schon mal ein berühmter Ruschebart geopfert wird, um Mut zu zeigen.

Den Hausener Mut zu außergewöhnlichem sieht man hier auch an der neuen Farbgebung einiger Hausfassaden.

Von erfrischender Zitrone über Pink mit abgesetzter Brombeere oder kitschigem Schlumpfblau kann man hier alles erleben und bekommt dabei ein ganz himmlisches und fruchtiges Gemüt.

Auch freut sich unser Ort über einen Aufschwung in der Kirchengemeinde.

Mit unserem neuen und äußerst sympathischen Seelsorger an der Spitze fand sich problemlos ein neuer Trupp Messdiener mit hoffentlich weiterwachsender Tendenz.

Diesen wurde sehr geduldig und liebevoll von einem alten Hasen im Geschäft über Wochen dieses ehrenvolle Amt angelernt.

Diese Neuigkeit lockte sogar kurzzeitig mal einige U-Boot-Christen, die mal auf und dann wieder abtauchen, in die Kirche.

Ziemlich wenig Erfahrung scheint der Hammel auch mit der Aufstellung,

Befüllung und Entleerung von handelsüblichen Poolanlagen zu haben.

So ärgert sich ein geduldiger Nachbar immer noch über seinen weggespülten Gemüsegarten im letzten Jahr, da geht Hardy seinen nächsten Versuch an, einen Pool an schräger Hanglage aufzubauen.

Die frisch eingelassenen Wassermassen, im Pool mit einer gewissen Unwucht,

flossen diesmal aber Gott sei Dank ganz langsam über Nacht durch die eigene Scheune ab.

Ja, liebe Freunde der Hausender Geselligkeit,

es gibt noch weiteren Grund, stolz zu sein, denn die Entwicklung auf menschlicher Ebene, die unseren Ort immer wieder ausgezeichnet hat, ist alles andere als rückläufig.

Durch die altbewährte „Das mach me salber“-Mentalität rüstiger Rentner ziert die alte Eiche hier am Gemeindezentrum, welches leider weiterhin ohne eigene Schlüsselgewalt ist, nun eine wunderschöne Seniorenbank.

Auch für unseren verloren geglaubten Sportplatz auf der Heide steht es seit diesem Jahr 1:0 für die Liebe aufgrund einer Traumhochzeit in dieser idyllischen Lage.

Beim Spätsommerfest mit kirmesähnlichem Charakter hatten alle Einwohner die Gelegenheit, ausgelassen zu reden, zu feiern und unterm Sternenhimmel zu tanzen.

Gott sei Dank war da der Hammel im Urlaub und nahm auch auf die Minute genau den Regen mit dorthin.

Unser Schulze hielt eine Ansprache an alle Gäste und vermittelte allein durch seine Anwesenheit wieder dieses WIR-Gefühl wie in einem guten alten Heimatfilm.

Das Highlight war jedoch die Uraufführung einer eigenen neuen Blaskapelle.

Spätestens an diesem Tag waren alle froh, dass die 3 weißen Birken in Richtung Bahnhof noch eine Schonfrist vor der Kettensäge hatten und ordentlich besungen werden konnten.

Wir freuen uns auch, dass diese mutigen Musikanten, die 2 Hausener Mitglieder zählen, morgen zum Kirmesfrühschoppen uns mit Feierstimmung unterstützen und sind sicher, dass hier selbst die Raucher-Insel vor dem Saal nichts entgegenzusetzen hat.

Große Freude verspürte der Hammel, als er die Abnahme zur Fertigstellung des nächsten Meilensteines im Hausener Kanal und Straßenbau unterzeichnete.

Ganz im Sinne des Fertigstellungstermins schaute er auch gern mal drüber weg als sich im Verlauf des Gehweges entlang des Mitteldorfes verschiedene Legemuster einschlichen…

In Niederorschel sieht das mit dem dort eingesetzten hochwertigem Kleingranit ja auch sehr ansehnlich aus.

Viele Anwohner, die über eine lange Schlechtwetterperiode Schlick und Baustellendreck von einer nicht winterfest gemachten Baustelle geduldig bis in ihre Häuser ertragen haben, warten nun gespannt auf die gestalterische Vollendung des Lindenplatzkonzeptes……hoffentlich nicht vergebens.

Bis dahin ist ja auch noch genügend Zeit, um die eine oder andere Zuständigkeit

zur Pflege der vielen neuen Kleingrünflächen zu klären.

Des Weiteren war der Hammel eifrig damit beschäftigt, aufzupassen, dass sich Anwohner nicht mit ihrer Straßenreinigungspflicht an die langen Abstände der Grünpflege vom Bauhof anpassen.

Hier wurde die eine oder andere Ermahnung ausgesprochen, die auch teilweise den gewünschten erzieherischen Erfolg eingebracht hatte.

Dreist war nur, dass Hardy eine Woche nach Aufforderung zur Straßenreinigung auf sämtliche neue Gehwege eine weitere Ladung Einkehrkies verteilen ließ.

Dass betroffene Anwohner da nicht mehr ruhig bleiben, sollte vollkommen verständlich sein.

Zu schneller Hilfe wurden unter anderem die Kameraden der Niederorschler Feuerwehr über die Leitstelle gerufen, um die Bergung eines vom Bandscheibenvorfall Heimgesuchten in den Rettungswagen zu unterstützen.

Mit großer Bewunderung im vollbesetzten Einsatzfahrzeug beobachteten die Kameraden, als sie eintrafen, unseren „Ein-Mann Einsatztrupp“ der Hausener Feuerwehr, trotz derzeit abgemeldetem Fahrzeug, schon beim Abschluss der Bergung.

Er war zu Fuß schneller am Einsatzort als seine Kollegen und zeigte, dass die Hausener immer noch da sind, und wenn es sein, muss auch zu Fuß.

Unser gallisches Dorf in der Einheitsgemeinde beweist auch an weiterer Stelle, dass es noch mehr Helden in unseren Reihen gibt.

So kam es durch einen goldenen Schuss in der Vergangenheit nicht nur zum langersehnten Wiesel-Nachwuchs, sondern nun auch zur Besteigung des Schützenthrones im großen Leinefelder Schützenverein.

Auf unsere Majestät sind wir sehr stolz und sie lässt verlauten, dass im nächsten Jahr

sogar eine Doppelkrönung für Hausen möglich ist.

In diesem Sinne schließen wir für heute die Anklagepunkte und gehen zur Urteilsverkündung über!

Wir verurteilen hiermit, am heutigen Kirmestage, den diesjährigen Hammel zu folgenden Strafen:

Im ersten Punkt hat er umgehend das Ortsausgangsschild nach Niederorschel wieder an seine originale Stelle zurückzuversetzen, damit aufgrund der gezielt zu kurzen Messdistanz wieder Geschwindigkeitsprüfungen durchgeführt werden können.

So einfach kann man es sich nicht machen, nur um die anhaltenden Beschwerden von besorgten Anwohnern auszuschalten.

Des Weiteren hat er im zweiten Punkt dafür zu sorgen, seinen Komplizen preiszugeben, der seit Monaten im gesamten Dorf verantwortlich für unzählige vermisste Hauskatzen ist. Ihr Verbleib ist unmittelbar aufzuklären, denn die Beseitigung dieser Tiere ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. >

Im dritten und letzten Punkt fordern wir den Hammel auf, seine Zusage für neue Fußballtore auf dem Kleinfeld und die neue Zapfanlage für den Hausener Gemeindesaal einzuhalten, die nötigen Mittel dafür freizugeben und nicht weiter auf Zeit zu spielen. >

Anschließend wird er dann seinem Scharfrichter übergeben.

Auch im nächsten Jahr soll es hier in unserem Heimatort wieder heißen:

„Kirmes soll sein!“

Wir freuen uns heute schon wieder auf alle Gäste, einheimische, altheimische und die, die extra über Land kommen, um uns hier jedes Jahr die Treue zu halten!

In diesem Sinne schließen wir diese Sitzung und wünschen im Namen aller Hammelbrüder noch frohe und nette Stunden hier. Bleibt gesund und munter!

Bis zur nächsten Kirmes grüssen:

 

Die Kirmesburschen

 

Geschrieben 2023 von

David Schäfer

Hammelrede 2022

Verehrte Festgemeinde,
liebe Gäste aus nah und fern,
treue Hammelbrüder,

als Vertreter der Hausener Kirmesburschen heiße ich euch zu unserem heutigen Festumzug auf das herzlichste Willkommen.
Wieder haben wir uns hier versammelt, um unser 71. Hammelausreiten in
altbekannter, würdiger Form zu begehen.
Auch im ersten Jahr nach dem großen Jubiläum haben wir über Begebenheiten und außergewöhnliche Vorkommnisse in unserem kleinen Dörfchen nach Hammelbruderart zu berichten.
Unser diesjähriger Hammel mit dem Namen “Henry der Halbwissende“ hat zahlreiche Untaten verübt, die hier vor diesem traditionellen Kirmesburschengericht bekannt gemacht werden müssen.
Wir schicken jetzt Reiter und Wagen aus, um dieses heimtückische und hinterhältige Tier im Schafspelz aus seiner Herde zu erhaschen.

Reiter und Wagen schwärmt aus!!

Nachdem die Reiter ausgeschwärmt sind, um den Hammel vor dieses außergewöhnliche Gericht zu stellen, beginnen wir mit der Verlesung der Anklagepunkte:

Ein Jahr nach einem gelungenen Kirmesjubiläum unter nie dagewesenen Bedingungen, können die Hausener Burschen und alle ihre treuen Gäste erleichtert und motiviert das 8. Jahrzehnt der Vereinsgeschichte angehen.
Wochenlanges Bangen ob es eine 3G-Party geben kann oder nicht, ging einer wahrlich würdigen Jubiläumsfeier voraus.
Schon in früheren Jahrhunderten schrieben die Menschen auf ihren selbstgebrannten Schnaps den Zusatz: „Der Seuche zum Trotze“ und wussten, was wirklich gegen hartnäckige Epidemien hilft.
Und so wurde auch in Hausen darauf gebaut, mit den auferlegten 3G-Regeln, viel Glück und einer Menge Alkohol, keine Covid-Epidemie durch die Kirmes auszulösen, was zumindest für dieses Wochenende auch gelang.
Aber wie nicht anders erwartet, versuchte der Hammel durch seine bekannten charakterlichen Defizite aus dem Hintergrund für weniger Gästezahlen zu sorgen.
Zuerst lief er schamlos rüber ins Örtchen, um die dort ansässigen unerfahrenen Jungburschen anzustiften, einen Facebook-Beitrag gegen Veranstaltungen bei der Hausener Kirmes aufzusetzen.
Schlimmer noch ist aber sein erfolgreicher Versuch, in den eigenen Reihen dafür zu werben, nicht mehr zum montäglichen Frühschoppen zu gehen,
mit dem Vorurteil, dass dort eh nichts mehr los wäre.
So schadete er nur sich selbst und verpasste den beeindruckenden musikalischen
Beitrag eines Vorstandsmitgliedes im offiziellen Teil des Frühschoppens.
Der Jubiläumsumzug, der auch in diesem Jahr durch Baumaßnahmen nicht seine traditionelle Route nehmen konnte, war wie erhofft wieder hausenlike-ausgelassen, sonnig und mit viel Frohsinn gesegnet.
Die alte Hausener Kanonenbahn wurde extra für das Jubiläum straßentauglich umgebaut und überstand den Umzug ohne technische Pannen.
Der gerade noch rechtzeitig fertig gewordene und langersehnte Zebrastreifen für
die Schulkinder und Kirchgänger wurde würdig von einer Horde Zebras gefeiert und gemeinsam mit vielen Kirmesfreunden begossen.
Eine ganz besonders elegante lebendige Barbiepuppe mit einem struppigem „Ruschebart“ ließ so manches Burschenherz höherschlagen.
Selbst die Tiere auf der Arche Noah, die extra einen großen Umweg über Hausen schipperten, waren von dieser außergewöhnlichen Dame fasziniert.
Wer sich Ingos alljährliche, tolle Kirmesbilder angesehen hat, wird feststellen, dass wir
zum 70. Jubiläum den wohl stolzesten und schönsten Hammel mit prachtvollen Hörnern vor Gericht hatten.
Natürlich lassen wir Hausener uns nicht von seiner Schönheit blenden und erkennen immer noch seinen hinterhältigen, heimtückischen und schlitzohrigen Charakter.
Sowas gibt es nur in Hausen und die Burschen hoffen, dass alle, die immer zum Gelingen dieses Umzuges beitragen, niemals den Spaß am wichtigsten Tag im örtlichen Kalender verlieren

Im Rahmen der weiteren Dorfentwicklung hält der „Wind of Change“ in Hausen weiter an.
Damit sind aber nicht die immer stärker werdenden alljährlichen Winterstürme gemeint, die immer mehr Verwüstungen mit sich bringen.
Ja… so mancher musste dieses Jahr wieder unfreiwillig in neue Gartenzäune Dachziegel oder Gewächshäuser investieren.
Gemeint sind die großen optischen Veränderungen des Hausener Dorfbildes.
Sie startete der Hammel mit einer leider nur spärlichen Sanierung der alten Betonstützwand im Klapperfahrt.
Zur ihrer zusätzlichen Destabilisierung dient nun eine Reihe großer Löcher.
Nur der lebensgefährliche Durchgangsverkehr hindert die Hausener Kinder daran, sie als Torschusswand zu benutzen.
Für die größte Veränderung des Dorfbildes sorgte aber die neue Straßenführung in
das 2. neue Wohngebiet im Oberdorf, die direkt durch den alten Lindenplatz gehen wird und den wohl bekanntesten Hausener Kleintierhof durchkreuzt.
Hier hat Henry aus alter Gewohnheit die Rechnung ohne den Wirt gemacht und ohne die Gegenwehr vieler Anwohner kalkuliert.
Durch eine nachträglich sehr gut organisierte Aufklärung der Anwohner über die Hintergründe der Planung, inklusive einer Abstimmung aller Hausener Einwohner über das neue Konzept, konnte aber Gott sei Dank schnell für Frieden und eine demokratisch
herbeigeführte Lösung gesorgt werden.

Die Zeit vergeht und für die nächste Legislaturperiode eines Dorfschulzen wurden alle Hausener Einwohner wieder regulär an die Wahlurne gebeten.
Durch die im Vorfeld leichtfertig gestreuten Gerüchte des Hammels, unser aktueller Dorfschulze sei amtsmüde und zähle nur noch die Tage bis zum Ende seiner Amtszeit, entstand eine vollkommen verwirrende Situation für die Hausener Bürger.
Bei der Wahl eine Wahl von mehr als einem Amtsbewerber zu haben,
ist hier sehr lange her.
Die Liebe zu seinem Heimatort und die berechtigte Sorge, dass wir ohne Kandidaten ev. einen auswärtigen Schulzen bekommen könnten, belohnten die Wähler mit vielen Stimmen und wählten unseren hochmotivierten Mario zum neuen Dorfoberhaupt.
Lieber Mario, wir wünschen dir nun noch mal vor großem Publikum im Namen aller Einwohner unserer Einheitsgemeinde viel Energie, Erfolg und allzeit die so wichtige Unterstützung für dein neues Amt.
Applaus
Lieber Stefan, wir danken dir auch noch mal vor großem Publikum im Namen aller Einwohner unserer Einheitsgemeinde für alles, was du in der Vergangenheit zum Wohl dieses Ortes getan hast und wünschen dir, dass du das sehr knappe Wahlergebnis bitte sportlich nimmst.
Und dass sich deine, uns allen spürbare, Enttäuschung schnell in neue Motivation und Zufriedenheit wandelt.
Applaus

Hin- und hergerissen zwischen Ablehnung und Begeisterung war der Hammel
das ganze letzte Kalenderjahr, als er die Geschehnisse rund um die Fertigstellung
des neuen Kirchendaches aus 2-ter Reihe beobachtete.
Als pünktlich zum Weihnachtsfest die neuen Kirchenglocken das erste Mal offiziell
gemeinsam erklangen, ertappte sich der Hammel dabei, euphorische Glücksgefühle zu haben und nahm sogar diesen Klang mit einem Mikrofon für die Nachwelt zur Erinnerung auf.
Schnell verflogen aber seine kurzzeitigen menschlichen Züge und er verfiel wieder zurück in seinen hinterlistigen Naturcharakter.
Er wurde dabei beobachtet, wie er unerlaubter Weise auf dem Baugerüst des Kirchturmes umherspazierte, um rauszubekommen, wie es möglich war, das der Turm über mehrere Wochen scheinbar losgelöst, wie von Göttlicher Hand, über der Kirche schwebte.
Von Langeweile getrieben fing er an, die noch nicht verbauten Dachziegel zu zerstören.
Weiter stiftete er die Beamten der Denkmalschutzbehörde an, ihre Vorgabe, den Turm wieder in den Urzustand zu versetzen, anstatt ihn ohne die Glocke im Innenraum baulich zu schließen, nicht ganz so genau zu nehmen.
Was dabei rauskam, könnte allerdings weltbekannt werden.
Denn was ist schon der schiefe Turm von Pisa wert, wenn wir einen hohlen Kirchturm von Hausen als neue Touristenattraktion haben?
Touristen in unseren Ort zu bringen, sollte mit einem über 100 Jahre alten eigenen Bahnhof, einer preisgekrönten Designerbushaltestelle und 3 amtlich, in Hausen ansässigen Berufsbusfahrern ja kein Thema sein.

Weitere außergewöhnliche Ereignisse und Veränderungen müssen standesgemäß heute
hier bekannt gemacht werden.
Missgünstig und voller Tatendrang anderen zu schaden plante, der Hammel ein Attentat auf einen erst jüngst von ehrenhaftester Stelle als neuen Ortschronist vorgeschlagenen Jungbauern, stieß ihn an steiler Hanglage mit seinem Traktor um und brachte ihn dadurch in große Lebensgefahr.
Traktoren scheinen ja in Hausen generell aus der Mode zu kommen, denn man sieht viele Hobbylandwirte nur noch auf einem Quad mit Anhänger oder neuerdings mit kleinen Mini-Radladern.
Auch zeigte sich eine neue Gesetzeslücke für Anhängerbetrieb, die es scheinbar zulässt,
straffrei ohne amtliche Kennzeichen unterwegs zu sein, aber nicht mit einem Kennzeichen ohne gültige Plakette. Für Henry ging diese Erfahrung ziemlich teuer aus.
Den erwähnten Mini-Radlader eines stolz wachsenden Pferdehofes im Winkel beobachtete der Hammel schon seit Monaten neidisch von morgens bis abends bei seinem ehrgeizigen Versuch mehr Kilometer im Jahr zu schruppen als ein durchschnittliches Taxi am Frankfurter Flughafen.

Und damit noch lange nicht genug!
Um der im letzten Jahr auferlegen Strafe zu entgehen, den abgelegenen Waldsportplatz wieder in Ordnung zu bringen, überlegte sich Henry so manche Ausrede.
Diese notierte er feinsäuberlich in sein Buch der Schandtaten, während er mal wieder auf seiner selbstgebauten Waldtoilette hinter dem Sportlerhäuschen auf der Heide saß.
In erster Linie fand er wohl keine Zeit, da er noch einige Nachbesserungen an den Pflasterarbeiten im Mitteldorf machen musste, damit die Anwohner im Winter keine nassen Hauswände bekamen.

Damit war er so beschäftigt, dass ihm vollkommen entging, dass in diesem Spätsommer ein neuer Pfarrer in unserer Kirchengemeinde begrüßt wurde.
Da dies nicht in der Hausner Kirche stattfand, und Henry sich schwertut, solche wichtigen Informationen im Internet zu finden, ist das aber auch kein Wunder.
Deshalb wollen wir heute die Gelegenheit nutzen und unseren neuen Gemeindeseelsorger und den offiziell jüngsten Pfarrer im Bistum, Herrn Pfarrer Münnemann, recht herzlich in unserer Gemeinde willkommen heißen.

Kopfschüttelnd und fassungslos las der Hammel in der Zeitung,
dass in Niederorschel einige seiner verstorbenen Artgenossen eiskalt in einem Altkleidercontainer entsorgt worden waren. Das machte ihn so sauer, dass er beschloss durch Unruhestiftung Rache zu nehmen, anstatt den Schuldigen auszumachen und zur Rechenschaft zu ziehen.
Hin und wieder machte er sich deshalb einen Spaß daraus, einfach mal die Kirchenglocken zu läuten, und erfreute sich daran, wenn der ein oder andere Gläubige aus dem Ort irritiert mit seinem Gesangbuch vor der Kirche stand und ohne den erhofften göttlichen Segen wieder den Heimweg antreten musste.
Den nächsten Stänkerversuch startete er, als die Kirmesburschen friedlich mit Booten auf der Werra schipperten, Henry aber das Boot kentern ließ und die Burschen in den Fluss zum Baden schickte.
Eine unglaublich schlitzohrige Idee hatte er, als er die Anzeigetafel zur Geschwindigkeitsermittlung am Ortsausgang nach Niederorschel so im Einstellwinkel veränderte, dass auch die einfahrenden Züge von ihr erfasst werden konnten und uns deshalb niemand mehr glaubte, das die aufgezeichneten Geschwindigkeitsrekorde eigentlich von Autos ausgelöst wurden.

Eine wichtige Ureigenschaft der einheimischen Bevölkerung konnte Henry aber trotz großer Anstrengung auch in diesem Jahr nicht mutwillig stören.
Durch die urplötzliche Abschaltung der gesetzlichen Pandemiebeschränkungen im Frühling traf man sich wieder sorgenfrei zu allerlei Feierlichkeiten und versäumten geselligen Anlässen.
So konnte zum alljährlichen legendären Schlachtfest in der Schöllbornstrasse
wieder alles gegeben werden, um extra angereisten Gästen aus den Niederlanden,
eine Einführung in unsere harten Eichsfelder Sitten zu geben.
Von der Nachbarschaft aus wurde der Hammel allerdings dabei beobachtet, wie er später still und heimlich aus dem Dachfenster erbrach,
um sich vor seinen Gästen nicht zu blamieren.
Durch einen Lichtstrahl am nächtlichen Sternenhimmel wurden zum Tanz in den Mai viele alte Fans der Glashauszeit nach Hausen gelockt.
Verschreckt von düsteren Gestalten und gruseliger Musik auf dem Saal,
ergriffen sie aber die Flucht und entkamen so einer Covid-Epidemie, die auf dieser Veranstaltung ihren Anfang nahm.

Im letzten Punkt wünschen wir uns im Namen der gesamten Gemeinde im nächsten Jahr wieder über eine lustige Karnevalssitzung berichten zu können, anstatt vom Kaspertheater rund um die Vergabe Hausener Kneipen.
Hier hat sich der Hammel rund um das persönliche An- und Abwerben eines neuen Pächters ein starkes Stück geleistet.
Nun hoffen wir allerdings auch, dass den legendären Bario-Veranstaltungen zukünftig nichts mehr im Weg steht, und die Schlüsselgewalt unseres Gemeindezentrums wieder den Weg zurück in unseren Ort findet.

In diesem Sinne schließen wir hiermit die Anklagepunkte und gehen zur Urteilsverkündung über!
Wir verurteilen hiermit, am heutigen Kirmestage, den Hammel zu folgenden Strafen:
Im ersten Punkt: alle seine mitwirkenden Komplizen preiszugeben, die sich stetig daran beteiligen, dass gute, alte wertvolle Hausener Miteinander zu stören.
Des Weiteren hat er im zweiten Punkt: alle einheimischen Autofahrer ausfindig zu machen, die immer durch rücksichtslose Fahrweise auffallen und unter anderem in blauen Handwerksbussen das Leben ihrer Mitbürger aufs Spiel setzen.
Im dritten und letzten Punkt: hat er dafür zu sorgen, dass niemand mehr in den immer trockener werdenden Sommern mit Brunnenwasser riesige Poolanlagen füllt und nachts im Schutze der Dunkelheit stundenlang Grünflächen bewässert.
Dieser nachhaltige Schaden am Grundwasserspiegel ist irreparabel.

Anschließend wird er dann seinem Scharfrichter übergeben.

Auch im nächsten Jahr soll es hier in unserem Heimatort wieder heißen:
„Kirmes soll sein!“
Wir freuen uns heute schon wieder auf alle Gäste, einheimische, altheimische und die, die extra über Land kommen, um uns hier jedes Jahr die Treue zu halten!

In diesem Sinne schließen wir diese Sitzung und wünschen im Namen aller Hammelbrüder noch frohe und nette Stunden hier. Bleibt gesund und munter!
Bis zur nächsten Kirmes grüssen:

Die Kirmesburschen

Geschrieben 2022 von
David Schäfer

Hammelrede 2021

70 Jahre Kirmes in Hausen,
70 Jahre Heimatgefühl,
70 Jahre Geselligkeit der besonderen Art,
70 Jahre Sonnenschein!

Verehrte Jubiläumsgemeinde,
verehrte alte und neue Hausener
liebe Gäste aus nah und fern,
treue Hammelbrüder,

als Vertreter der Hausener Kirmesburschen, heiße ich euch zu unserem heutigen Jubiläumsumzug auf das herzlichste willkommen.
Treu unserer 70 Jahre stolzen Tradition haben wir uns auch heute wieder pünktlich um 13:00 Uhr zum Hammelausreiten hier vor unserem schönen Gemeindezentrum versammelt.
Auch im Jubiläumsjahr haben wir wieder über Begebenheiten und Vorkommnisse in unserer schönen und stetig wachsenden Gemeinde nach Hammelbruderart zu berichten.
Unser diesjähriger Hammel mit dem Namen „Gustav der Gauleiter“ hat unzählige Schandtaten verübt, die hier vor diesem traditionellen Kirmesburschengericht bekannt gemacht werden müssen.

Wir schicken jetzt Reiter und Wagen aus, um dieses heimtückische und hinterhältige Tier im Schafspelz aus seiner Herde zu erhaschen.

Reiter und Wagen schwärmt aus!

Bevor wir jedoch zur Verlesung der Anklagepunkte kommen, sei uns aus gegebenem Anlass ein kurzer Abstreifer in die Geschichte der Hausener Kirmes
und die Geschichte dieses Kirmesburschengerichts erlaubt.
Als vor 70 Jahren unsere Gründungsburschen in der gemütlichen Dorfschänke am Anger unter der strengen Aufsicht der „Häsin“ saßen und überlegten, wie man am Kirmestag Vergehen und Missgeschicke im Ort zur Aufbesserung der örtlichen
„Gerechtigkeit und Moral“ bekannt machen kann,
war die Geburtsstunde dieser Hammelanklage im wahrsten Sinne des Wortes eingeläutet.
In humorvoller Art sollten Ereignisse und Schandtaten des vergangenen Jahres, die unsere Dorfgemeinschaft beschäftigten, veröffentlicht werden, um sie danach endgültig zu den Akten legen zu können.
Unzählige Vergehen wurden den Hammeln in den letzten 7 Jahrzehnten ausführlich angekreidet:
Für Wetterkatastrophen, schlechte Ernten, politische Lagen und vor allem für kuriose Dorfgeschehnisse sollte ein neutraler Sündenbock gefunden werden.
Viele interessante Neuigkeiten wurden so seit jeher detailliert mit der notwendigen Ernsthaftigkeit aufgearbeitet.
Traditionelle Themen sind auch Handlungen und Auffälligkeiten der Hausener unter Alkoholeinfluss, alte Rivalitäten zu einem gewissen Örtchen,
moralische Verfehlungen unserer Bürger, jegliche Art von Beziehungskisten und natürlich die weltpolitische Lage.
Das Top-Ranking an Anklagepunkten bildete in der Vergangenheit aber unumstritten die Aufarbeitung der DDR-Diktatur mit allen seinen aufgestauten Untaten, über die man sich erst nach der Wende so richtig Luft machen konnte.
So mancher Hammel musste sich gerade zur Wendezeit einem schweren Verfahren stellen.
Die Kunst, diese Hammelanklage immer scharf, aber personenneutral und humorvoll zu formulieren, ist dabei ein ungeschriebenes Gesetz und gelang nicht immer zu 100%.
Wo es für viele mittlerweile eine Ehrung bedeutet, in der Kirmesrede erwähnt zu werden, bangte man in unseren Vorgängergenerationen eher darum, nicht auffällig geworden zu sein.
Auch war es in den Anfangsjahren der Kirmes Tradition, den angeklagten Hammel nach dem Umzug gemeinsam hinzurichten und als wohlschmeckendes Hammelgulasch gemeinsam zu verzehren.
Das ist nun in Zeiten des aktiven Tierschutzes und immer mehr grünender Kultur nicht mehr möglich, und der Vorstand lässt den Schmaus lieber zum alljährlichen Hammelessen vom Caterer seines Vertrauens anliefern.
Als Zeitzeugnis dafür gibt es heute immer noch den symbolischen Schlachter und den Schäfer auf dem wichtigsten Wagen des Umzuges.

Bevor der Hammel aber in die Pfanne muss, wird er seit jeher bei einem Kirmesumzug durchs Dorf geführt und allen Einwohnern und Gästen zur Schau gestellt.
Die Anzahl der Kirmeswagen pendelte in den letzten 70 Jahren vom alleinfahrenden Hammelwagen bis hin zu über 20 Attraktionen auf und ab.
Die vielen gezeigten handwerklichen Bauten und Themen waren zu 99% immer „Made in Hausen“ und brachten schon manche Gäste zum Staunen.
Ein ungelüftetes Geheimnis ist auch, dass über den früheren Hausener Kirmesumzug und viele damals aktive Burschen sogar eine eigene Stasiakte geführt worden sein soll.
Aber nichts konnte dem Hausener Kirmesburschen je die Lust an diesem Fest verderben.
In vielen Punkten grenzt man sich hier schon immer von anderen Kirmesvereinen
ab:
Zum Beispiel durch die Mitgliedschaft als Hammelbruder, die bei uns meist bis ins Rentenalter gepflegt wird, oder die Amtszeiten einiger Vorstandsmitglieder, die nachweisbar länger anhalten als eine durchschnittliche, westdeutsche Ehe.
Darauf können wir stolz sein.

Blicken wir nun auf die Ereignisse des vergangenen Jahres zurück, die durch Gustav maßgeblich beeinflusst worden sind.

Auch im 2. Jahr der großen gesellschaftlichen Einschränkungen war klar, dass
die Hausener Kirmesburschen nicht wie manch anderer Verein den Kopf in den Sand
stecken und dem Coronavirus das Fest opfern wollen.
So fand nach altem getreuem Motto „Kirmes soll sein“ zumindest eine halbe 69er-Kirmes unter freiem Himmel und mit vollem Herz für unsere Traditionen statt.
Mit immer einer Handbreit Luft zwischen erlaubten Gesetzmäßigkeiten und folgenden Strafzahlungen an unsere Behörden, wurde aus dieser halben Kirmes das Maximum rausgekitzelt.
Zum Start des Festwochenendes zeigten zwei neue Hammelbrüder in unseren Reihen ihren Vorreitern aus dem letzten Jahr erstmal wie es richtig geht mit dem Ausgraben der Schnapsflasche, bei der diesmal das Leeren länger dauerte als das Suchen.
Damit stand auch das Motto der Feierlichkeiten: „Gesund durch innere Desinfektion“.
Anstelle des traditionellen Kirmestanzes fand ein Fackelumzug mit gemeinsamen Ausrufen der Kirmes und diesmal mit allen Burschen durch unseren Ort statt.
Beim Versuch traditionelle Kirmeslieder zu singen, wurden schnell so manchem Hammelbruder unter uns, ohne unsere wichtigen Kirmesgäste und ihrer Erfahrung an altem Liedgut, seine enormen Defizite an Textsicherheit aufgezeigt.
Gott sei Dank konnte die Verwandtschaft des kleinen Jungen, dem zum Fackelumzug ein ausgiebiges Geburtstagständchen gebracht wurde, hier eine beeindruckende musikalische Lehrvorführung geben.

Da es erstmalig in den 70 Jahren Hausener Kirmestradition nicht erlaubt war, einen
klassischen Umzug zu machen, wurde der Hammel diesmal zu Fuß durch den Ort getrieben.
Stinksauer darüber, solchen Strapazen ausgesetzt zu werden, plante er Rache an denen, die sich heute nicht die Laune von den gesetzlichen Einschränkungen verderben lassen wollten, und stieß diejenige mit der allerbesten Kirmeslaune an der Emoji-Bar tanzend vom Tisch…mit fatalen Folgen.

Ja, liebe Gäste…am Tag danach waren auch alle Feierlichkeiten unter freiem Himmel gesetzlich untersagt, und es blieb uns nur noch die Hoffnung auf:

„Nach der Kirmes ist vor der Kirmes“.

Denn pünktlich zum Kirmesmontag sorgte Gustav für den nächsten Lockdown.
Seitdem war nichts mehr möglich. Kein öffentlicher Frühschoppen, keine Weihnachtsmärkte, keine Silvesterfeiern, keine heiligen Messen für die gesamte Gemeinde und auch kein Karneval.
Eigentlich wäre die Kirmesrede an dieser Stelle zu Ende, wenn man das letzte Jahr betrachtet.
Aber da sind ja noch die Hausener, für die Nichtstun bekanntlich keine Option ist.
Selbst in schwärzesten Zeiten vor der Wende, als die Hausener Kirmes einzuschlafen drohte, wurde sogar in der Gemeindevertretung ein Verantwortlicher für die Erhaltung der Traditionen beauftragt.
Auch diesem Tagesordnungspunkt in der damaligen Gemeinderatsversammlung ist die Zahl 70 heute mitzuverdanken.
Ausgefuchst forschte man deswegen in diesem Jahr in Gustavs komplizierten Corona-Regeln nach Gesetzeslücken und nutzte die ersten vorsichtigen Lockerungen, um einen Büttenabend zum Karneval live aus dem heimischen Wohnzimmer in die Welt zu übertragen.
Immer den Blick auf wechselnde Corona-Bestimmungen gerichtet, musste der gemeine Hausener täglich neu deuten, was heute erlaubt ist, morgen wieder nicht mehr oder andersrum.
Gustavs Rechenspielchen für private Zusammentreffen: 2 Haushalte, aber nur mit 2,7 Personen, wobei man aufpassen musste, ob große Zimmerpflanzen mit 0,5 Personen eingerechnet werden mussten. Das zu überblicken, bereitete selbst Fachleuten Probleme.
Einsame Menschen trafen sich deshalb wieder in Supermärkten, Friseur- oder Blumenläden, da das Virus dort nicht so ansteckend sein soll als in Kirchen, Kindergärten oder Schulen.
Die letzte Art zwischenmenschliche Kommunikation zu erhalten, war nur noch über WhatsApp möglich. Deshalb verbreitete Gustav wie ein Lauffeuer über diese APP
die frohe Kunde über den wohl sehnlichst erwarteten und längst überfälligen Heiratsantrag des Jahres.
Wer das glückliche Paar sein würde, könnte man sicher zur rechten Zeit im neuen Amtsblatt der Gemeinde erlesen.
Es sei denn, man hat verpasst, das dafür notwendige kostenlose Abonnement zu bestellen.

Ein eigentlich ganz normaler Wintereinbruch stellte unsere moderne Gesellschaft
in diesem Jahr unerwartet auf eine harte Bewährungsprobe.
Bei ca. 40° Celsius Temperaturunterschied innerhalb von einer Woche gab es mehr Schnee als in den letzten 5 Jahren zusammen, inklusive wetterbedingtem Stromausfall.
Auf dem Weg zu seiner Zentrale des Winterdienstes in Niederorschel schaffte es Gustav nicht mal über die Hausener Hauptkreuzung, wo sich schon das halbe Dorf im tiefen Schnee festgefahren hatte.
Anwohner waren mehr damit beschäftigt Autos von der Kreuzung zu schieben als Schnee von den Gehwegen.
Erst nach ca. 1 Woche hartem Kampf gegen die Schneemassen war es endlich wieder möglich, den Friedhof zu betreten.
Die Umlagerung der Schneemassen von Straßen und Gehwegen auf Gemeindeflächen in Hausen musste sogar wegen erneuter Überflutungsgefahr polizeilich überwacht werden.

Im Frühsommer sperrte Gustav einen Teil des Gehweges im Mitteldorf mit einem Spanngurt, um seine Eigenheimbaustelle abzusichern.
Fußgänger, die diesen Bereich passieren wollten, mussten deshalb auf die vielbefahrene Ex-Hauptstraße ausweichen. Ein aufmerksamer Nachbar machte die dort arbeitenden Hammelbrüder darauf aufmerksam, dass dies nicht regelkonform sei.
Der Nachbarschafts- und Straßenfrieden konnte aber anschließend nach Hausener Art schnell mit einem rot-weißen Absperrband und ein paar Flaschen österreichischem Bier wiederhergestellt werden.
Einzig und allein die Gattin des aufmerksamen Nachbarn sorgte sich um den Verbleib ihres Mannes, der einfach kommentarlos stundenlang verschwunden war.

Einen historischen Augenblick für die Hausener Geschichtsbücher gab es auch dieses Jahr wieder: Nach langer arbeitsintensiver Vorbereitungszeit des Organisatoren-Teams, konnte ein Kran die alten Kirchenglocken aus dem Kirchendach heben, um für die neuen den Weg zu ebnen.
Jeder Hausener war von klein auf, auf ihren Klang geprägt und verbindet sein ganz persönliches Heimatgefühl mit ihnen.
Besonders stolz sind wir hierbei alle auf unsere gute Seele des Ortes – Erwin Franke!
Seine Verdienste am christlichen Zusammenleben in Hausen brachten ihm zum 2. Mal die Ehre ein, auf eine historische Namensgebung Einfluss zu haben.
Und so bekamen auch die neuen Kirchenglocken, ähnlich der Straßenbenennung zum Benediktus Weg, ihren ewigen Namen durch ihn: Vielen Dank, Erwin!!!
Als die neuen Bronzeglocken feierlich durch den Bischof geweiht wurden, nutzte Gustav die Gelegenheit der kurzen Unaufmerksamkeit aller Anwesenden und nahm mit seiner Zunge erst mal eine kleine Geschmacksprobe von einer der Glocken.
Seine Fachkenntnisse in der Werkstoffkunde und die Analyse von Metallen und ihren Legierungen durch eine Geschmacksprobe bewiesen schließlich, dass die große Menge an Spendengeldern auch in gute Qualität investiert worden war.

Ein ziemlich unglückliches Händchen bewies der Hammel dieses Jahr bei der Auswahl
der vielen ausführenden Kleingewerke für den 3. Bauabschnitt des Großprojekts Kanal- und Straßenausbau in unserem Ort.
Im Teufelskreis des Preis- und Termindrucks entwickelte sich die Baustelle während der Sommerferien im Dorfzentrum zu einer unhaltbaren Zumutung für alle betroffenen Anwohner.

Während sich die ganze Gemeinde über wunderschöne neue Gehwege, den lang erwünschten Fußgängerüberweg und neue Straßenverhältnisse freuen kann, plagen die Anwohner immer noch viele schlaflose Nächte in Sorge um Schäden an ihren Häusern und Grundstücksgrenzen, die täglich kommentarlos immer weiter eingenommen wurden.
Bei staubtrockenem Wetter ließ der Hammel tagelang eine Rüttelwalze aus dem Autobahnbau durch unseren kleinen Ort toben, ohne Rücksicht auf Verluste.
Auch Nassschneidemaschinen für Pflastersteine hielt Gustav für vollkommen überflüssig.
Aufgebrachte, besorgte Hauseigentümer wurden teilweise mit höhnischen Kommentaren und dem Verweis auf andere Verantwortliche abgewiesen.
Ebenso erging es lange Zeit vielen Autofahrern, die vergeblich versuchten, den neu gegründeten Hausener Saunaclub in der Schöllbornstaße zu erreichen.
Ohne Umleitungsausschilderung endete auch hier so manche Fahrt vor den übel gelaunten Bauarbeitern.
Zu diesem Sachverhalt steht der Hammel eindeutig in tiefer Schuld bei allen Anwohnern und den Strapazen, die hier unfreiwillig über Monate ertragen werden mussten.

Eine Riesenfreude dagegen hatten viele Eltern im Frühjahr, als ihre Kinder über jeden Baufortschritt am neuen Spielplatz begeistert zu Hause berichteten und die Tage bis zur Eröffnung so ungeduldig zählten, als wäre es die Adventszeit.
Verärgert und missgünstig darüber, dass Kapazitäten des Bauhofes für dieses Projekt auch mal in Hausen gebunden waren und nicht für seine anderen Prioritäten, schaltete der Hammel eiskalt das Fernsehen ein. In größtmöglicher Öffentlichkeit forderte er von der Einheitsgemeinde Stellung ein für eine kleine Holzbrücke die nicht zeitnah genug ihren geplanten Standort erreichte. Durch diese übertriebene und unnötige Aktion wird sie wohl für immer „Brücke des Anstoßes“ genannt werden.

Aus Mangel an organisatorischen Themen und dem situationsbedingt beinahe ausgefallenen Hammelessen in diesem Jahr konnte der Hammel gerade noch daran gehindert werden, heimlich die Kirmesburschen-WhatsApp-Gruppe in eine „Alles Gute zum Geburtstag“-Gruppe umzubenennen. Denn bis zur Fußball-Europameisterschaft gab es hier kaum Themen zu organisieren und zu diskutieren.
Die sportlich zwar enttäuschende Fußball-EM brachte den positiven Nebeneffekt, dass ein neuer Saison-Kneipier mit außergewöhnlichem Konzept den Mut fasste, für die Einwohner mal was ganz anderes zu bieten. Mit dem Leitspruch „Endlich wieder normale Leute“ setzte er beim Public Viewing unter strengen Auflagen nicht nur auf zurückerlangte Geselligkeit, sondern auch auf Qualität auf höchstem Niveau.
In Holzbierkisten der Brauerei Michels, gefertigt in einer Hausener Kunsttischlerei, entstand ein Bier-Promidinner mit außergewöhnlichster Auswahl.
Eine Generalprobe dazu fand wenige Tage zuvor auf dem Hundesportplatz statt und machte gemeinsames Biertrinken zu einer regelrechten Weiterbildungsveranstaltung.
An unseren neuen Saison-Kneipier haben wir daher nur einen Wunsch: „Mach weiter so!!“
Und allen Einwohnern und auswärtigen Gästen möchten wir zum Schluss noch eine Bitte für die kommende Zeit ans Herz legen:

„Unterstützt die Gastronomie in eurem Ort wo ihr nur könnt.
Getreu dem Motto: „Drink, dont´t drive – fahr nicht fort sauf im Ort!“
Und wenn es dann doch mal zu viel war, achte auf deinem heimischen Hof, auf im Dunkeln umherstehende Sonnenschirmständer“

In diesem Sinne möchten wir uns wieder einmal bei allen, die zum Gelingen unseres
Kirmesfestes und stets zur Verbesserung des Gemeindelebens im unserem Ort beitragen haben, recht herzlich bedanken und bitten alle um Verständnis für die Pandemieregelungen für die wir nichts können, aber ohne die auch keine Kirmes möglich gewesen wäre.

Wir verurteilen hiermit, am heutigen Kirmestage, den Hammel zu folgenden Strafen:
Im ersten Punkt zu 2000 Zivilstunden im Bauhof der Gemeinde, um die verlorengegangene gewohnte dörfliche Pflege, die wir einst zu Zeiten der Zivildienstleistenden in Hausen hatten, wiederherzustellen.
Des Weiteren hat er im zweiten Punkt sämtliche betroffene Gebäude im Kanalbauabschnitt 3 professionell zu reinigen.
Im dritten und letzten Punkt hat er alle Hinterhofgrundstücke in Richtung Harderholz von überwuchertem Bauschutt, Schrott, Bau-Containern und sonstigem Unrat zu befreien und sie wieder für die dörfliche Kleintierzucht herzurichten.
Anschließend wird er dann seinem Scharfrichter übergeben.

Im Namen aller Hammelbrüder und im letzten Auftrag von Gustav dem Gauleiter wünschen wir viele frohe und friedliche Stunden hier bei unserem Umzug.

Bleibt gesund und munter.

Bis zur nächsten Kirmes grüßen:

Die Kirmesburschen

 

Geschrieben 2021
zur 70-Jährigen Hausener Kirmes
von David Schäfer