Hammelrede 2024
Verehrte Festgemeinde,
liebe Gäste aus nah und fern,
treue Hammelbrüder!
Als Vertreter der Hausener Kirmesburschen heiße ich euch zu unserem heutigen Festumzug auf das herzlichste willkommen.
Wieder ist ein Jahr vergangen und wir haben uns hier versammelt, um unser 73. Hammelausreiten in altbekannt würdiger Form zu begehen.
Auch in diesem Sonder-Wahljahr haben wir wieder über Begebenheiten und Vorkommnisse
in unserem kleinen, aber feinen Dörfchen nach „Hammelbruderart“ zu berichten.
Unser diesjähriger Hammel mit dem Namen „Dieter der Dschungelkönig“ hat unzählige große und noch größere Untaten verübt, die vor diesem Hohen Gericht bekannt gemacht werden müssen.
Wir schicken jetzt Reiter und Wagen aus, um dieses heimtückische und hinterhältige Tier im Schafspelz aus seiner Herde zu erhaschen.
Reiter und Wagen, schwärmt aus!
Nachdem die Reiter ausgeschwärmt sind, um den Hammel vor dieses Außerordentliche Kirmesburschengericht zu stellen, beginnen wir heute zuerst mit einer weiteren Auffrischung der Tradition der Hausener Hammelanklage und fahren anschließend mit der Verlesung der Anklagepunkte in gewohnter Art fort.
Die aus alter Tradition stammende Hammelanklage beschäftigt sich nun zum 73. Mal mit Themen, die die Hausener Bürger im jeweils vergangenen Jahr beschäftigten…
UND bis heute, ohne zu gendern…das wird in Zukunft auch so bleiben.
Sollte sich auch in diesem Jahr der eine oder andere in einer Textpassage wiederfinden,
ist ihm hoffentlich bewusst, dass es auf eine eigene lustige Hausener Art und Weise eine Ehre ist, hier erwähnt zu werden.
Das werden wir auch nicht ändern… auch nicht nach der Erweiterung des Einzugsgebietes unseres Hammels.
Wem wir dennoch zu nahegetreten sind, weil man nicht mit unseren Traditionen vertraut ist, und deshalb schlechte Stimmung im Hintergrund auf den Kirmesverein nötig hat, ist bei uns Hammelbrüdern jederzeit herzlich auf eine Aussprache und ein Versöhnungsbier eingeladen. „Kirmes soll sein!“
Zum Wohl
Wir beginnen nun mit der Verlesung der Anklagepunkte:
Unser diesjähriger Hammel ist scheinbar ein sehr schlaues Tier und unterscheidet sich sehr
offensichtlich von seinen Vorgängern in der Vergangenheit.
Seinen ersten Fehler beging er schon, indem er die Wachsamkeit und Intelligenz der Hausener Bürger vollkommen unterschätzt hat, und dachte wohl, dass hier niemand mitbekommt, wenn er seine hinterhältigen Schandtaten seit neuestem aus sicherer Ferne und
mit Komplizen als Schutzschild ausführt.
So sandte er einen seiner Artgenossen aus, um sich beim letzten Kirmestanz über die immer noch fehlende Zapfanlage auf UNSEREM Saal zu belustigen.
Als er sah das doch das Bier in großen Mengen strömte, war er sehr frustriert über die Hausener Flexibilität, suchte sich den nächstbesten Kirmesgast, und schlug ihm
grundlos die Nase kaputt.
Des Weiteren machte sich Dieter darüber lustig, dass auch die Hausener nicht von immer weiter rückläufigen Gästezahlen verschont bleiben, das gesamte Kirmeswochenende betrachtet
Was auch weiter daran liegt, dass viele Einwohner lieber ihren Urlaub aufs Kirmeswochenende legen, als hier die Heimat zu unterstützen.
Dadurch hat Dieter einen wirklich tollen Umzug verpasst.
Es gab mal wieder ASTREINE Kostüme zu bewundern.
Diese Kostüme haben so großen Eindruck hinterlassen, dass es dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte einen Sieger bei der Wagenprämierung gab… der gar keinen Wagen hatte.
Ganz irritiert von dieser Nachricht setzte sich Arielle die Meerjungfrau erst mal auf eine geschlossene Toilette in der Schöllbornstraße und zerbrach mit ihrem zarten Körpergewicht glatt den Deckel.
Viele weitere einfallsreiche Ideen konnte man nach Hausener Art in Wagen und Fußvölkern
sehen.
Ein großes mobiles Baustellenradio, unter dem ein nicht ganz CO2-neutrales Antriebsfahrzeug versteckt war, reihte sich gleich hinter einem eigens angereisten Wanderzirkus ein.
Auch war es beeindruckend, dass der Fernsehsender RTL aufgrund anhaltender idealer vegetativer Grundverhältnisse die neue Staffel des Dschungelcamps in Hausen produziert hat.
Deshalb haben wir uns vorgenommen, den lang vermissten Hausener Kirmestraditionsschnaps „Stichimpuli“ wieder ins Programm aufzunehmen und ihn dann den Produzenten bei RTL in einem Präsentkorb als Dankeschön zu senden, da sie es uns ermöglichten, den seit langer Zeit entstandenen Dschungel in Hausen wenigstens touristisch zu nutzen.
Die wichtigste Person beim letzten Umzug war aber ausnahmslos eine Wahrsagerin aus dem angereisten Wanderzirkus.
Vielen Umzugsteilnehmern und Kirmesgästen hat sie an diesem sonnigen Kirmestag eine positive Zukunft vorausgesagt und damit viel Freude ins Herz gebracht.
Wie es um ihre eigene Zukunft stand, konnte sie nicht ahnen, und nun fehlt sie uns allen sehr.
Wir möchten unserer Sandra den heutigen Umzug widmen und wissen, dass sie trotzdem unter uns weilt und nicht gewollt hätte, dass wir heute alle traurig sind.
Eine große Überraschung und Freude bot uns auch unser Gastwirt auf Zeit und jetzt nicht mehr amtierender Ortsteilbürgermeister, als er am Sonntagabend hinter dem Tresen vortrat, ein Schlagzeug aufbaute, und zusammen mit dem Vorstand für die letzten verbliebenen Kirmesgäste live Musik machte, anstatt sie vom Saal zu kehren.
Damit wurde hier auch in einem wichtigen negativen Punkt aus der Vergangenheit aufgeräumt und klare Kante gezeigt.
An dieser Stelle möchten wir wiederholt die Gelegenheit nutzen und junge Burschen in unseren Reihen zu motivieren, sich solche tollen Abende nicht länger entgehen zu lassen.
Bitte zündet nicht weiter nur zu Silvester das halbe Dorf an…. sondern kommt:
„Raus aus der Bude und rein in den Verein“ und zündet damit positiv in die Zukunft!!!
Um die weitere Verbreitung seiner Schandtaten einzudämmen, versuchte der Hammel seinen größten Kritiker und jährlichen Hauptankläger aus dem Verkehr zu ziehen, indem er ihm die Zugtür zuhielt, als dieser am Hausener Bahnhof aussteigen wollte.
Die Reise endete dann eine Station weiter, wo er sich mit dem Auto abholen lassen musste.
Auch für einige massive Ölspuren ist der Hammel in diesem Jahr verantwortlich.
Mehrfach betroffen war dabei die Brücke im Klapperfahrt. Die erste – ausgelöst durch eine unsachgemäße KFZ-Wartung in einer anliegenden Autowerkstatt – und eine zweite Ölspur, die Dieters Kollege mit dem Müllauto verursacht hat.
Diese war so massiv, dass sie sogar unsere Hausener Ein-Mann-Feuerwehr überforderte.
Unterstützung kam Gott sei Dank schnell, unter anderem auch von den Kleinbartloffer Kirmesburschen, die zu diesem Einsatz hier in Hausen zahlreicher waren, als die eigenen Burschen zu regulären Vereinsversammlungen.
Noch mehr Unheil richtete der Hammel an, indem er wieder mal auf Einbruchstour war und in einem bekannten Haushalt am Roteberg massiven Schaden anrichtete.
Weniger Glück hatte er beim Diebstahl von Baumaterial im Sommerweg,
als er mit moderner Technik bei seiner Schandtat live beobachtet wurde.
Letztendlich beging er einen taktischen Fehler, als er auf seiner Langfingertour vor dem Erinnerungsgemälde unseres Gemeindetraktors auf einer Scheunenwand Halt machte und sich fragte, warum dieser mit einem platten Reifen dargestellt sei.
In diesem Moment hätten ihn die Ordnungshüter fast geschnappt und dingfest gemacht.
Die Zeit vergeht wie im Flug, und für die nächste Legislaturperiode eines Dorfschulzen wurden alle Hausener Einwohner wieder regulär an die Wahlurne gebeten.
So spannend wie zu dieser Wahlperiode ging es in Hausen definitiv noch nie zu.
Und dem Hammel war es auch sicher recht, dass die ausgelaufene Amtszeit
nur für 2 Jahre angesetzt war.
So konnte die kurze Zeit gut genutzt werden, um den demokratisch gewählten neuen Amtsinhaber mit verweigerter Zusammenarbeit mürbe zu machen und so eine weitere Kandidatur zu verhindern.
Da schlägt es im Orschler Schulzenamt definitiv 13, wenn man dann auch noch mit einem Wahlslogan „vom Ihr zum Wir“ im eignen Wahlkampf arbeitet.
Viele wichtige Themen, wie zum Beispiel die Aufklärung, was ein Hausener tun muss, um
positiven Einfluss im großen Gemeinderat für unseren Ort aufrechtzuerhalten, ging
im harten Wahlkampf unter.
Total verwirrt von dem Gerücht, dass Gemeinderatskandidaten auf einem großen Wahlplakat an der Bushaltestelle nur eine Boyband seien, wählten viele Hausener ihre Wunschkandidaten aus anderen Ortsteilen.
Das hat nun zur Folge, dass Hausen nur noch einen Sitz und neuem Ortsteibürgermeister im großen Gemeinderat hat, und nun alle Hoffnungen auf diesen beiden Fürsprechern für die Sorgen und Nöte unseres Ortsteils lasten.
Im nächsten Punkt der Anklageliste müssen wir den Hammel zum wiederholten Male
wegen mehrfach versuchter Störung der Hausener Feierlaune anschuldigen.
Da ist es auch keine Entschuldigung, dass Dieter vom wochenlangen Getröte an den Bahngleisten genervt und durch Schlafmangel unzurechnungsfähig war.
Zum Ersten hielt er viele Hammelbrüder davon ab, die Einladung zu einem geselligen Vorabend der kleinen Kirmes wahrzunehmen, obwohl es selbstgeschachtetes vom Vorstand und Freibier bis zum Abwinken gab.
Dann versuchte er die gute Stimmung am Karnevalswochenende zu stören, indem er die Heizung auf dem Saal manipulierte, und dort irgendwie in zweierlei Hinsicht eine kühle Atmosphäre war.
Doch schnell bemerkten viele Hausener die intriganten Schachzüge des Hammels und
Bewiesen, dass wir hier doch immer noch die alten sind.
Den Spendengeldskandal vom letzten Sommerfest verdrängt, kamen wieder viele zum Sommerfest der Vereine und der Ortsteilgemeinden.
Dort gab es eine Neuauflage des Klassikers Oberdorf gegen Unterdorf …das ab nun heißen soll: Alt gegen Jung.
Bei süffiger Stimmung wurde zusammen Fußball auf Großbildleinwand geschaut und gesellige Frühschoppenspiele gemacht.
Auch der Sankt-Martins-Umzug war dieses Jahr ein besonderes Highlight.
Wer dort noch nicht vom Hörnchenteilen, Glühwein und vielen anderen Leckereien
genug hatte, zog im Anschluss mit in die Nachbarschaft, wo bis in die späten Stunden
gesellig das Hausener Dorfleben gefeiert wurde.
Zum Aufhängen der ersten Schützenscheibe in Hausen lud unsere Majestät der Schützenkönig alle durstigen Untertanen zu einem ausgelassenen Gelage ein.
Nur der Hammel war nicht geladen wegen seiner bekannten Alkoholunverträglichkeit
und den Folgen seiner unkontrollierten oralen Entleerungen.
Verärgert darüber und um von sich abzulenken, stiftete er einige Wochen später 3 harmlose Hammelbrüder in wichtigster Führungsebene an, sich mal so richtig volllaufen zu lassen.
Eigentlich wollten die 3 nur mal auf ihren Erfolg anstoßen, da sie es geschafft hatten den Hausener Kirmesburschenverein nach jahrelangem Hin und Her endlich zum
„Kirmesburschenverein Hausen ANNO 1951 E.V.“ weiterzuentwickeln.
Das Ganze endete in einer übel nach erbrochenem riechenden Reinigungsaktion eines unschuldigen PKWs.
Immer größere Beliebtheit genießt auch unser Gemeindesaal für Familienfeiern externer Gäste. Dieters neues Geschäftsmodell unseren Saal in bester Lage, mit der Option auf Selbstversorgung, scheint mittlerweile so lukrativ zu sein, dass es sogar durch professionell gefilmte Werbung immer weiter angekurbelt wird, um mehr Geld in die Gemeindekasse zu spülen.
Alte ungeschriebene Gesetze, das Einwohner von Hausen, vor allem diejenigen, die
damals ehrenamtlich und sogar mit Privatvermögen diesen Bau ermöglicht haben,
immer Vorrang auf eine Reservierung haben, scheinen Schnee von gestern.
Eine rechtzeitige Buchung ist daher dringend ratsam, da sogar eine große Geburtstagsfeier, die direkt auf das Kirmeswochenende 2025 fällt, problemlos genehmigt wurde.
Aus gegebenem Anlass wollen wir uns auf diesem Wege nochmals beim Hammel bedanken, dass wir HIER heute UNSERE Kirmes feiern dürfen.
Nun ist es ja kein Geheimnis, dass unser selbsternannter Dorfsheriff gern mal auch außerhalb der Dienstzeiten nicht sparsam mit Strafzetteln ist.
Beim Fahren ohne Helm oder Fahren mit Anhängern ohne Zulassung … da gab es in der Vergangenheit schon selbst bei einheimischen keine Gnade.
Lieber schaut man gern mal weg, wenn wieder ein Vereinskamerad mit Alkohol im Blut nach einem sonntäglichen Frühschoppenbesuch den Hundesportplatz im Auto verlässt
Aber wenn der Breitenhölzer Bürgermeister in der Buswendeschleife parkt, um dort seine holde Maid zu besuchen, dann wird mit einem anderen Maß gemessen und es klingelt die Kasse.
Da das Fernsehen ja Hausen nun mit seiner neuen Staffel des Dschungelcamps in positiver Erinnerung hat, suchten die Produzenten gleich nach noch mehr Potenzial für andere Produktionen.
Mit scharfem Auge beobachteten sie, dass man seine Resi hierzulande nicht mehr mit dem Traktor abholt, sondern mit einem eigenen Reisebus.
Schade ist nur, dass zum Zeitpunkt der ersten Dreharbeiten für die neue Staffel „Automechaniker sucht Frau“ der Busfahrer wegen eines kaputten Fußes infolge eines Getränkeunfalls nicht zur Verfügung stand.
Um die entgangenen Einnahmen durch den Produktionsausfall wieder reinzuholen, musste sich der Busbesitzer was Neues einfallen lassen und konzentriert sich nun auf das Geschäft mit dem Sauftourismus.
Da jetzt auch immer öfter holländische Kanabistouristen mit eigenem Anbaugebiet in der Schöllbornstraße eingefahren werden, wird derzeit ermittelt, ob dieses Geschäft noch legale Wege geht.
In diesem Sinne schließen wir hiermit die Anklagepunkte und gehen zur Urteilsverkündung über!
Wir verurteilen hiermit, am heutigen Kirmestage, den Hammel zu folgenden Strafen:
Im ersten Punkt:
Hat er den entwendeten Gemeindegrill wieder an unseren neuen Schulzen zurückzugeben, inklusive einer Palette Ölbindemittel als Wiedergutmachung und Entschädigung.
Des Weiteren hat er im zweiten Punkt:
Seinen Komplizen preiszugeben, der am derzeit einzigen Neubau im neuen Wohngebiet die Hausfassade und den Garten mit einer übel stinkenden Substanz verunreinigt hat.
Um hier ideellen und finanziellen Schadensersatz zu leisten, muss der Hammel heute seine letzte Locke geben.
Im dritten und letzten Punkt:
Hat er das gesamte nächste Kalenderjahr für ausführlichen Winterdienst im gesamten
Ort zu sorgen.
So soll er lernen, dass es keine Art und Weise ist seine Nachbarn wegen Winterdiensgesetzen dermaßen aggressiv anzugehen, dass diese vor Angst die Polizei rufen müssen.
Anschließend wird er dann seinem Scharfrichter übergeben.
Auch im nächsten Jahr soll es hier in unserem Heimatort wieder heißen:
„Kirmes soll sein!“
Wir freuen uns heute schon wieder auf alle Gäste, einheimische, altheimische und die, die extra über Land kommen, um uns hier jedes Jahr die Treue zu halten!
In diesem Sinne schließen wir diese Sitzung und wünschen im Namen aller Hammelbrüder noch frohe und nette Stunden hier. Bleibt gesund und munter!
Bis zur nächsten Kirmes grüßen:
Die Kirmesburschen
Geschrieben 2024 von
David Schäfer

